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  • Ann-Kathrin

Übung macht den „Zaubermeister“

Abrakadabra, dreimal schwarzer Kater“ oder „Simsalabim“? „Weder noch“, sagt Felix Gauger mit einem Lächeln. „Diese Sprüche werden nur noch selten benutzt. Auch die Zauberkünstler gehen mit der Zeit“, sagt der 32-jährige Wirtschaftsingenieur. Wenn er nicht gerade in Darmstadt an seiner Promotion arbeitet, reist er als Zauberer nicht nur durch ganz Deutschland, sondern schippert sogar um die Welt. „Das Zaubern gehört schon immer in mein Leben.“


Zauberer sein, dieser Berufswunsch entsteht in so manchem Kinderzimmer. Und als Kind stellt man sich einen Zauberer auch meistens so vor, wie man ihn beispielsweise in Kinderbüchern abgebildet sieht: Mit Frack, Zylinder, Zauberstab und irgendwo hoppelt noch ein Kaninchen durch das Bild. „Ich kenne keinen Kollegen, der diese klassischen Assoziationen noch erfüllt, außer eventuell bei der Zauberkunst für Kinder“, sagt der gebürtige Weinheimer, der seine Leidenschaft schon seit vielen Jahren zum beruflichen Standbein gemacht hat. Er selbst besitzt zwar auch einen Zauberstab, „aber den setze ich tatsächlich nur bei einem Trick ein. Mir ist bei meinen Auftritten die Kommunikation mit dem Publikum wichtig. Neben den Tricks spielt Comedy für mich auch eine Rolle“, sagt Felix.


Wie bist du zum Zaubern gekommen? Ganz klassisch über den „Zauberkasten“?


Tatsächlich ja. Ich habe damals, wie so manches Kind, einen Zauberkasten geschenkt bekommen und ich bin im Unterschied zu vielen anderen Kindern einfach an der Zauberei hängen geblieben. Im Grundschulalter habe ich dann gemeinsam mit meiner damaligen Grundschuldirektorin einen Volkshochschulkurs besucht, in dem man das Zaubern lernen konnte. Sie hatte selbst Freude am Zaubern gefunden, hatte meine Leidenschaft erkannt und wollte mich früh fördern. Wir hatten mehrere gemeinsame Auftritte als Duo, zum Beispiel bei Sommerfesten in der Schule. Meine Lehrerin hatte bis zu ihrer Pensionierung regelmäßig Zauber-AGs an der Schule angeboten. In den weiteren Jahren habe ich mich dann immer bemüht, Seminare zu besuchen, Tricks zu lernen und Kontakte zu anderen Zauberern zu bekommen. Und man muss eben üben, üben, üben.



Das klingt zeitintensiv …


Das ist es auch wirklich. Den Kellerraum im Haus meiner Eltern hatte ich als Kind zum Zauberzimmer umfunktioniert. Ich habe mir eine Bühne gebaut und Spiegel aufgehängt, denn zum Üben muss man vor den Spiegel, um zu wissen, wie der Trick von vorne und von den Seiten aus Sicht des Zuschauers aussieht. Sitzt der Trick, hilft es, sich zu filmen und sich danach selbst beim Zaubern zuzusehen. Dann sieht man direkt, an welchen Stellen es noch hapert. Danach sollte man den Trick vor Freunden und vor der Familie ausprobieren, dann vor einem fremden Publikum auf der Straße und auch Open Stages sind eine gute Möglichkeit, sich vor Publikum zu testen. Auch Auftritte bei Straßenfestivals, wie zum Beispiel dem Buskers Festival Wien, sind super, um sich auszuprobieren. Wenn du nämlich auf der Straße funktionierst und die Leute hältst, die eigentlich nur an dir vorbeischlendern wollten, dann weißt du, dass die Show gut ist.


Zauberkünstler Felix Gauger ist nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in der Welt unterwegs. Foto: Thomas Rauch

Kannst du dich denn noch an deinen allerersten Auftritt vor Publikum erinnern?


Oh (er überlegt), das ist wirklich lange her (er lacht). Aber ich glaube, es war als Zwölfjähriger auf einem Kindergeburtstag.

Und der erste Trick?


Ich glaube, das war einer der klassischen Anfängertricks, nämlich Wasser in einer Zeitung verschwinden lassen. Klingt einfach, wirkt aber gut.


Wolltest du denn als Kind schon Zauberer werden? Oder doch Wirtschaftsingenieur? Oder doch etwas ganz anderes?


Ich hatte als Kind noch keinen Berufswunsch. Ich hatte einfach Spaß am Zaubern. Das Zaubern gehört aber schon immer in mein Leben. Es war für mich klar, dass mich das auch als Erwachsener begleiten wird. Und dass ich damit nun mein Geld verdienen kann, ist natürlich umso schöner. Das Zaubern hat sich mit meinem Studium gut ergänzt und das kann ich auch gut mit meiner Promotion kombinieren. Danach sehen wir weiter.


Aber wie wird man denn nun Zauberkünstler? Gibt es eine Art „Zauberschule“, die man besuchen kann?


Nein, gäbe es wirklich die „Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei“, dann hätte ich diese als Kind wahrscheinlich besucht, weil es cool gewesen wäre, unter Gleichgesinnten zu sein. Aber das Zaubern lernt man außerhalb der Harry-Potter-Welt eben einfach durch viel Fleiß. Es gibt keine Ausbildung für diesen Beruf, alles ist autodidaktisch. Man bringt sich das meiste selbst bei. Ich bin auch Mitglied im sogenannten Magischen Zirkel von Deutschland, eine internationale Vereinigung zur Pflege und Förderung der magischen Kunst. Um dort dabei sein zu können, muss man auch eine Aufnahmeprüfung machen. Über diese Vereinigung steht man im Austausch miteinander und hat auch die Möglichkeit, neue Tricks „einzukaufen“. Zum Beruf des Zauberkünstlers gehören nämlich auch hohe Investitionen: vom kleinen Kartentrick bis zu Großillusionen auf großen Bühnen mit großen Apparaturen ist fast alles möglich.


"Es gibt keine Ausbildung für diesen Beruf, alles ist autodidaktisch. Man bringt sich das meiste selbst bei"

Kann man denn das Zaubern überhaupt lernen? Was muss man dafür mitbringen?


Es gibt zwei Faktoren, die man beachten sollte. 1. Das Zaubern ist eine Handwerkskunst. Es ist im Grunde so wie ein Instrument zu lernen. Die Fingerfertigkeit und Feinmotorik kann man lernen. 2. Man darf keine Angst vor dem Publikum haben, denn als Zauberkünstler steht man eben auf Bühnen und vor Menschen. Und es geht nicht nur um die Tricks allein, sondern eben um Unterhaltung. Es sind teilweise uralte Tricks, die schon vor mehreren Hundert Jahren die Leute zum Staunen gebracht haben. Viele möchten das Zaubern immer noch lernen, aber ich glaube, dass der klassische Zauberkasten, den es immer noch gibt, heute durch Tutorials auf YouTube ersetzt wird.


Und wie sieht dein Alltag aus? Mit einem Schnipp von der einen auf die andere Bühne?


Schön wär’s. Die Zeit auf der Bühne ist prozentual gesehen ultra gering. Man reist sehr viel, verbringt viel Zeit damit, zu den Auftrittsorten zu fahren, das sollte man wissen. Ich bin ein Ein-Mann-Unternehmen. Ich bin Künstler und selbstständig, das ist nicht nur zeitintensiv, was die Organisation betrifft, sondern kann eben auch sehr anstrengend sein. Zum Beispiel bin ich für einen zwölfminutigen Auftritt im Hamburger Schmidt-Theater mit Hin- und Rückfahrt rund zwölf Stunden unterwegs. Die zwei häufigsten Fragen, die mir gestellt werden, lauten: Was macht du tagsüber? Und machst du auch etwas Richtiges? Viele haben eine andere Vorstellung davon, wie ein Künstlerleben aussieht. Aber tagsüber organisiere ich meine Auftritte und übe, und ja, das ist etwas Richtiges (er lacht). Und ich baue mir gerade durch meine Promotion mein zweites berufliches Standbein auf. Ich habe derzeit im Jahr zwischen 60 und 70 Auftritte – vom Norden bis in den Süden. Hauptsächlich bin ich im Bereich „Business-Zauberei“ unterwegs.

"Ich habe derzeit im Jahr zwischen 60 und 70 Auftritte – vom Norden bis in den Süden"

Was versteht man darunter?


Das heißt, ich werde meistens für Betriebs- und Weihnachtsfeiern oder auch für Hochzeiten gebucht und zaubere sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache. Ich interagiere viel mit dem Publikum, zaubere nicht für es, sondern auch mit ihm, teilweise auch ganz nah – man nennt das Close-Up-Zauberei, das ist die stärkste Form. Aber ich bin auch insgesamt rund zwei Monate im Jahr auf den AIDA-Kreuzfahrtschiffen unterwegs und zaubere dort vor mehreren Hundert Menschen in einer abendfüllenden Show.



Wie bist du dazu gekommen?

Ich war dort als Gast und habe mich einfach initiativ beworben, weil ich Lust darauf hatte. Und es hat geklappt. Ich mache das schon seit mehreren Jahren und auf diese Weise konnte ich schon die halbe Welt sehen, was wirklich ein toller Nebeneffekt ist.

Apropos Welt: Gibt es Unterschiede, wie das Publikum auf dich reagiert?

Auf jeden Fall. In anderen Kulturkreisen ist das Zaubern nicht unbedingt etwas Selbstverständliches so wie bei uns. Wir verstehen das Zaubern als das Anwenden von Tricks und als Unterhaltung, wir lassen uns auf die Illusionen ein. Anders ist das aber in anderen Ländern. Ich habe einmal bei einer marokkanischen Hochzeit gezaubert und da war das für einige Gäste eher beängstigend, weil sie eben eine andere Assoziation zur Zauberei haben, und die hatte wenig mit Unterhaltung zu tun, sondern eher mit Übernatürlichem.

Und unterscheidet sich auch das Publikum an Land mit dem auf dem Schiff?

Auf dem Schiff ist es schwieriger, das Publikum zu halten. Wenn es den Leuten nicht gefällt, dann verlassen sie einfach die Show, weil sie nicht extra für diese bezahlt haben. Aber das macht es für mich als Künstler auch irgendwie spannender.

Ist es heutzutage schwieriger, das Publikum zu „verzaubern“? Hat das Zaubern in Sachen Entertainment mit Konkurrenz zu kämpfen?

Eine direkte Konkurrenz zur Zauberei sehe ich nicht. Aber die Menschen haben eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne. Viele filmen auch eher die Auftritte anstatt sie einfach live zu genießen. Und die Zuschauer möchten am liebsten sofort alle Tricks erklärt bekommen und hinterfragen viel. Da kann es schon vorkommen, dass die Erklärungen zu den Tricks noch während der Show gegoogelt werden. Durch die „Ehrlich Brothers“ sind Zaubershows aber wieder in und publiker geworden. Zaubern funktioniert wieder. Und Zaubern ist heute zugänglicher geworden. Früher musste man warten bis ein Zauberer einen Stopp in der Stadt eingelegt hatte. Heute kann man sich auch viel im Netz erklären lassen.

Und lässt du dich auch noch „verzaubern“, obwohl du die Branche sehr gut kennst?

Ich kenne zwar viele Tricks, aber auch ich lasse mich von den Illusionen der Kollegen begeistern. Ich kann nur jedem raten, sich auf die Zauberei einfach einzulassen, denn man kann mal den Alltag vergessen, mal wieder staunen und es ist einfach viel schöner, wenn man mal keine Erklärung für etwas hat.

Mehr Informationen zu Felix Gauger gibt es im Netz unter www.felix-gauger.de, auf facebook und auf Instagram

Verlosung

Wir verlosen zweiDVDs von Felix Gauger, mit denen ihr 15 Zaubertricks lernen könnt. Alles Wichtige rund um die Verlosung erfahrt ihr auf unserer Instagram-Seite.

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