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100 Jahre 1920er: Golden, rauschend und voll im Trend

Frauen mit Bubikopf und Zigarettenhülsen, Charleston tanzende Paare und verruchte Parties: So oder so ähnlich stellen viele sich die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts vor. 100 Jahre ist der Beginn dieses Jahrzehnts nun her, das heute Faschingsumzüge, Parties, Frisuren und Outfits inspiriert. (B)ENGEL wirft einen Blick zurück: Wie lebten junge Menschen vor 100 Jahren? Wieso liegt diese Zeit heute so im Trend? Was können wir aus ihr lernen? Das ganze Jahr über veröffentlichen wir Beiträge zu diesem Jahrzehnt, das von unbändiger Lebenslust, neuer Technik, aber auch von Arbeitslosigkeit, Konflikten und dem Bröckeln der Demokratie geprägt war. Zum Einstieg haben wir im Archiv der Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung gewühlt. Die Fundstücke: 10 Dinge, über die die Weinheimerinnen und Weinheimer vor 100 Jahren ganz aus dem Häuschen waren und die uns völlig normal erscheinen.


Hutmode der späten 1920er: eine Karikatur. Bild: WN-Archiv

Apfelsinen

"Da liegen sie jetzt in jedem Schaufenster, zu Bergen getürmt, die Kinder des sonnigen Südens. Noch vor sehr kurzer Zeit bedeutete ihr Auftauchen eine kleine Sensation und viele Kinder wuchsen heran, ohne überhaupt je Bekanntschaft mit ihnen gemacht zu haben." Eine Kindheit ohne Orangen? Heute kaum vorzustellen. Das Obst gehört zur Standardausstattung, ob im Super- oder auf dem Wochenmarkt. So gut wie jedes Kindergartenkind könnte wohl eine malen. Nicht so allerdings vor 100 Jahren: Damals traten die "goldenen Äpfel" ihren Siegeszug gerade erst an, wie die Weinheimer Presse im Februar 1929 feststellte. Eine Sensation − das sind die Früchte, die damals meist Apfelsinen genannt wurden, längst nicht mehr.


Der drahtlose Film

WLAN ist ja mittlerweile eine Art Grundbedürfnis geworden. Die Zeitgenossen aus den 1920ern hätte diese Technik wohl aus den Socken gehauen. Damals schaffte es schon die drahtlose Übertragung eines Films, die Reporter sprachlos zu machen: Die Teilnehmer hätten "der Geburtsstunde eines der größten Wunder des menschlichen Geistes beigewohnt", berichtete ein Reporter im Jahr 1929, alle Wunder aus "Tausendundeine Nacht", alle Märchen und Legenden habe diese Vorführung in den Schatten gestellt. "Gibt es überhaupt noch Unmögliches?"



Fast 65 Gaststätten zählte Weinheim 1922; auf 240 Einwohnerinnen und Einwohner kam demnach eine Wirtschaft. Besonders beliebt: Jazzband-Konzerte. Bild: WN-Archiv

"Robot"

Ähnlich sprachlos machte einen Journalisten ein "ganz aus Metall hergestellter künstlicher Mensch", genannt "Robot", der die Hände heben, seinen Kopf bewegen, laufen und sogar sprechen konnte. Er sollte im Jahr 1928 eine Ausstellung in London eröffnen. "Hat man da noch Worte!", schloss der Reporter den Text mit dem Titel "Unheimlicher Sieg der Technik".


Elektrisches Rasieren

Ebenfalls eine Meldung wert war der damaligen Presse die Erfindung des elektrischen Rasierapparats. "Die Erfindung ermöglicht das Rasieren ohne Seifenschaum mit Hilfe von elektrischem Strom."


Der Tonfilm

"Die Leinwand ist nicht mehr stumm", mit dieser Feststellung schloss ein Artikel im April 1929. Eine "Revolution im Kino" stehe bevor, war sich der Verfasser sicher. Was er wohl zu 3D-Filmen zu sagen hätte?


Die "HAFRABA"

Kurz für: Autobahn Hamburg-Frankfurt-Basel. Sie entspricht in etwa der heutigen A 5 und wurde bereits in den 20ern geplant. Für die damaligen Menschen eine Überraschung: "Man hörte, dass das Reichverkehrsministerium gegen die Erbauung reiner Autostraßen keine prinzipiellen Bedenken erhebt." Ob sich das angesichts der Klimakrise demnächst wieder ändert?


Die Kläranlage

Eine "sehr große Verbesserung" kündigte ein Beitrag im Juli 1929 an: Seit Jahrzehnten leite die Stadt ihre Abwässer ungereinigt in die Weschnitz und den Landgraben ab. Das führe zu vielen Klagen. Die Lösung: eine "moderne Frischwasserkläranlage".


Fernsehen

"Das Fernsehen ist da!" titelte die Zeitung im August 1928. Mit ihm kam anscheinend auch eine frühe Form des Skypens könnte man zumindest heute denken: "Ein dramatischer Gipfelpunkt wurde vor einigen Wochen erreicht, als eine Vorführung auf dem Cunard-Dampfer 'Berengaria' stattfand. Als sich das Schiff etwa 1500 Meilen vom Land entfernt auf See befand, konnte der Oberbordfunker seine Braut sehen, wie sie in einem Zimmer in London mit anderen Personen sprach."


Ein Segelflugzeug

Am 2. April 1929 überflog ein Segelflugzeug Weinheim, kreuzte über den zwei Burgen und bog in Richtung Gorxheimertal ab. Eine Besonderheit, fand die örtliche Presse, immerhin flog das Wunderwerk ohne Motor und ohne Geräusch!


Die Kamera

Nicht ganz so abgeneigt war die Presse einer weiteren Erfindung: der Kamera. Ein "Wunderding" und eine "menschenfreundliche Erfindung" sei das Gerät − immerhin könne man mit ihrer Hilfe das festhalten, "was uns Freude und Sonnenschein in den grauen Alltag bringt". Der Wunsch des Autors im Juni 1928: "Heraus mit der Kamera. Das Photographieren müsste für jeden Menschen von Kultur ebenso selbstverständlich sein wie etwa das Lesen guter Bücher." Über Smartphones und Instagram hätte er sich bestimmt gefreut.



Bubikopf, ernste Miene und extravagante Kleider: die Mode der 20er. Bild: WN-Archiv




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