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Berufsbild: Marine Mikrobiologin oder „Das dunkle Paradies“

Bio ist langweilig? Mikroskopieren auch? Um euch vom Gegenteil zu überzeugen, solltet ihr den nachstehenden Text auf jeden Fall lesen – aber auch unbedingt dann, wenn ihr später einmal in diesem Bereich arbeiten wollt oder wenn euch der Umweltschutz besonders am Herzen liegt. Denn Dr. Julia Otte hat an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Weinheim ihr Abitur absolviert und erforscht nun die Tiefsee. Was genau macht sie dort?


Julia untersucht Manganknollen, die aus der Tiefsee stammen.

Entweder haltet ihr es gerade in der Hand, es liegt direkt neben euch oder ihr habt es in eurer Hosentasche: ein Smartphone. Doch habt ihr euch auch schon einmal Gedanken darüber gemacht, woher die Metalle kommen, die benötigt werden, dass es auch funktioniert? Wenn es nach einigen Firmen und Staaten geht, sollen diese Rohstoffe schon bald aus der Tiefsee geborgen werden. Was das für Probleme mit sich bringen kann, untersucht Julia.



Als marine Mikrobiologin erforscht die 29-Jährige die Tiefsee in 4000 Metern unter dem Meeresspiegel. Sie will herausfinden, welche Auswirkungen der Manganknollen-Abbau hat und wie der Mensch dadurch das Ökosystem beeinflusst. Mitten auf dem Pazifik ist sie für zwei Monate ein wichtiges Besatzungsmitglied des deutschen Forschungsschiffes „FS Sonne“.



Interesse durch ein Schüler-Praktikum


Schon in der Schule war für Julia klar, dass sie später einmal etwas mit Biologie machen wollte. Ein Schüler-Praktikum im Archäometrie-Zentrum Mannheim löste ihre Faszination an den Naturwissenschaften aus. Denn die Arbeit war sehr vielfältig.

„Zum einen geht man raus in die Natur und entnimmt dort Proben, mikroskopiert und zum anderen sitzt man am Schreibtisch, gestaltet Präsentationen und Veröffentlichungen“, sagt sie. In ihrer Bachelor- und Master- sowie Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit Mikroorganismen und der Rolle, die diese im aquatischen Ökosystem spielen.



Und nun ist sie Teil einer wissenschaftlichen Expedition auf dem Pazifik. Als Bio- und Geowissenschaftlerin ist sie eines von 68 Besatzungsmitgliedern, die den Tiefseeboden und die Manganknollen erkunden (siehe Infobox). Es handelt sich dabei um ihre erste Forschungsreise auf Hoher See. Und währenddessen nennt sie ein 118 Meter langes und 21 Meter breites Schiff ihr Zuhause, die FS „Sonne“.


In etwa 4000 Metern Wassertiefe existieren Mangangknollen, die mittels Tauchrobotern an Bord der FS "Sonne" gebacht werden.

Der Grund dieser Expedition: Wenn es nach einigen Staaten und Firmen geht, wird die Idylle in der Tiefsee schon bald verschwinden. Dann könnten in 4000 Meter Tiefe Arbeiten beginnen, um die Manganknollen abzubauen. Die Forschungsexpedition mit dem Namen „SO268“ soll nun den Tiefseeboden untersuchen, um dann später die Einflüsse von schweren Abbaufahrzeugen abzuschätzen.


„Die Tiefsee ist wenig erforscht“, sagt Julia, die an Bord als Geo-Mikrobiologin arbeitet. „Über den Tiefseeboden wissen wir noch viel zu wenig. Deswegen ist diese Forschung so wichtig.“


Aufgaben und Auswirkungen


Julias Aufgabe als Mikrobiologin an Bord der „Sonne“: Herausfinden, welche Bakterien, Archaeen und Viren am Meeresboden leben und welche Aufgaben sie für das Gleichgewicht des Ökosystems in der Tiefsee haben. „Ich dachte früher, dass in der Tiefsee nichts lebt. Aber das ist völliger Quatsch. Hier leben so viele Tiere, obwohl es völlig dunkel und kalt ist und ein enormer Druck vorhanden ist.“ Hierzu gehören Tiefsee-Fische, Seesterne, Krabben, Seegurken und viele mehr. Teilweise sind diese Tiere sogar farbig. „Da unten sieht es aus wie auf einem anderen Planeten. Hier existiert eine außergewöhnliche Artenvielfalt, die sich an die extremen Lebensbedingungen angepasst hat.“


„Die Expedition hat mich verändert“


„Es ist etwas Besonderes, ein Teil dieser wissenschaftlichen Expedition zu sein. Ich gehe als anderer Mensch von Bord. Die Expedition hat mich verändert. Die wissenschaftlichen Forschungen lassen mich anders auf das Leben blicken und manche mir selbst gemachten Alltagsprobleme überflüssig erscheinen.“


Denn in der Tiefsee gibt es weitaus mehr, über das sich die Menschheit Gedanken machen müsste.



Wie sieht eine Manganknolle von innen aus?

Zur Person


Dr. Julia Otte (29) ist aufgewachsen in Weinheim und besuchte die Dietrich-Bonhoeffer-Schule.

Nach ihrem Abitur 2009 studierte sie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Bio- sowie Geowissenschaften. Nach dem Bachelorabschluss absolvierte sie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ihren Master-Abschluss in Biologie.


Von 2014 bis 2018 war sie Doktorandin an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und erhielt im Juli 2018 ihren Doktortitel im Fachbereich Geomikrobiologie.


Seit September 2018 ist sie beim Alfred-Wegener-Institut (Polarforschung) in Bremerhaven sowie beim Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (Meeresforschung) in Bremen angestellt.


Ihr ist es ein großes Anliegen, den Nachwuchs zu fördern und ihm ihren Beruf näher zu bringen. Deswegen unterstützt sie Bachelor- und Masterstudenten und möchte auch Schüler dazu motivieren, diesen Berufszweig einzuschlagen. Wer Fragen dazu hat, kann sich gerne an sie wenden. Kontakt: julia.otte@awi.de oder jotte@mpi-bremen.de


Die Expedition „SO268“ unter der Leitung des GEOMAR-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung


Anfang März dieses Jahres ging in Mexiko ein etwa 80-köpfiges Team an Bord des deutschen Forschungsschiffes „Sonne“. Die Forschungsreise „SO268“ dauert mit zwei Fahrtabschnitten („SO268-1“ und „SO268-2“) insgesamt drei Monate.

Ungefähr 40 Wissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Portugal, Italien, Norwegen und Frankreich gehören zur Crew – darunter Dr. Julia Otte aus Weinheim.

Ziel der Reise: die Clarion-Clipperton-Zone im Pazifischen Ozean, drei bis vier Tagesreisen und etwa 1500 Kilometer westlich der mexikanischen Küste.


Ein Wasser-Sammelgerät kommt nach fünf Stunden aus der Tiefsee zurück.

Hier befinden sich etwa 13 Zentimeter lange Manganknollen am Meeresboden, deren Metallgehalte (Mangan, Eisen, Kupfer, Nickel, Zink, Kobalt sowie Seltene Erden) das Potenzial für einen kommerziellen Tiefseebergbau bieten. Diese Rohstoffe aus der Tiefsee sind in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus einiger Staaten und Firmen gerückt, weil diese dadurch ihre Rohstoffversorgung für die moderne Technologie sichern wollen.


Unter der Leitung des GEOMAR-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel soll untersucht werden, welche ökologischen Folgen Tiefseebergbau hätte und wie man seine Auswirkungen begrenzen könnte.

Das Forscherteam untersucht in mehr als 4000 Metern Wassertiefe, wie verschiedene Arten in der Tiefsee miteinander leben und wie sich die Zusammensetzung, die Artenvielfalt und die Menge der Tiefseebewohner in und rund um die Manganknollenfelder verändert. Diese brauchen mehrere Millionen Jahre, um zu wachsen.


Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Erfassung und Untersuchung von Partikelkonzentrationen in einer Sedimentwolke, wie sie beim Tiefseebergbau aufgewirbelt würde.


Der Meeresboden zwischen Mexiko und Hawaii gehört zum gemeinsamen Erbe der Menschheit, da er nicht in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen (bis zu 200 Seemeilen vom Festland entfernt) von Staaten liegt.

Dieses Gebiet wird von der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) verwaltet. Zurzeit arbeitet die ISA an einem sogenannten „Mining Code“, der den rechtlichen Rahmen für einen zukünftigen Tiefseebergbau bilden wird.


Julia an Bord der FS "Sonne". Im Hintergrund ist ein Tauchroboter zu sehen.

Das europäische Verbundprojekt JPI Oceans „Mining Impact“ – in dessen Rahmen die Expedition „SO268“ durchgeführt wird – widmet sich der Frage, wie der Zustand des Tiefseeökosystems erfasst werden kann, um die Auswirkungen von menschlichen Eingriffen in der Tiefsee bewerten zu können.

Quelle: www.geomar.de/service/kommunikation/singlepm/article/manganknollen-begehrter-rohstoff-und-wichtiger-lebensraum


Das ZDF-Morgenmagazin begleitete die Forscher und veröffentlichte am 7. Mai einen Fernsehbeitrag.



Den vollständigen Artikel über Julia findet ihr auf der Homepage der WN/OZ:

https://www.wnoz.de/Das-dunkle-Paradies-5dd38dce-bdcb-4aa0-ab3c-be3aad613579-ds




Na, überzeugt, dass Biologie nicht langweilig ist?

Julia gibt Tipps für alle, die sich vorstellen können, im Bereich der Biologie tätig zu sein.


  1. Neugierig sein

  2. Nicht nur auf ein Thema fokussieren, sondern mehrere miteinander verknüpfen

  3. Breites Interesse für die Natur

  4. Faszination haben

  5. Kreativ und flexibel sein

  6. Keine Arbeit scheuen

  7. Toleranz haben und im Hintergrund behalten, dass grundsätzlich erst einmal alles schief läuft ;-)

  8. Pläne mit viel Zeitpuffer machen

  9. Offen für andere Wissenschaftszweige sein


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