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DJ LoCo & DJ Minimi

Sie lassen die Nacht zum Tag werden, sie wollen, dass ihr Publikum feiert, tanzt, einfach abgeht und sie lieben Musik. DJs spielen vor Hunderten Gästen, sind heute hier, morgen dort.


DJs sind Vorbilder. Für viele ist das ein absoluter Traumberuf. Doch stimmt das wirklich? Und wie wird man überhaupt zum DJ?


Über dieses Thema haben wir uns mit Pablo und Domi unterhalten. Die beiden kommen aus Weinheim, sind 28 und 29 Jahre alt und in der Region wohl eher unter zwei anderen Namen bekannt: Als DJ LoCo (Pablo) und DJ Minimi (Domi) machen sie die Clubs und Feste der Region unsicher. Ihr Stammlokal ist das Schabernack in Weinheim, hier legen sie regelmäßig auf, haben etwa den „First Friday“ etabliert.


Ihr seid schon ziemlich lange als DJs unterwegs, war das euer absoluter Traum? Und wie habt ihr angefangen?


Pablo (links) und Domi sind in der Region als DJs unterwegs. Sie sind bekannt unter den Namen DJ LoCo und DJ Minimi.

Pablo: Eigentlich schon. Während der Schulzeit habe ich auf Partys öfter Musik gemacht - hatte aber noch kein DJ-Equipment. Dafür habe ich mir damals viele Videos angeschaut und Lust bekommen, ein eigenes Equipment anzuschaffen.


Domi: Pablo ist schon länger im Geschäft als ich. Ich war schon immer an Musik interessiert. Auf Partys habe ich damals n bissl Musik mitgebracht. Angefangen hat es bei mir mit einer Silvesterfeier 2011/12. Da haben Pablo und ich uns um die Musik gekümmert und ich hatte Blut geleckt. Ich wollte mehr draus machen, als nur mal über den Windows Media Player Lieder abspielen zu lassen. Anschließend habe ich mir ein gebrauchtes DJ-Equipment gekauft und erstmal ein Jahr im Keller geübt. Pablo hat mir viele Techniken gezeigt, da er das Mischen von 2 Songs schon vor mir konnte. So richtig angefangen habe ich mit 23 Jahren. Statt selbst feiern zu gehen habe ich dann einfach aufgelegt.


Pablo: So richtig angefangen habe ich auf Hochzeiten oder Geburtstagen. Dann habe ich mal in der Stadtmauer aufgelegt und Domi dazu geholt. Davor habe ich mit 17 Jahren auf einer Abiparty im Café Central aufgelegt. Ich war mal privat auf einer Abiparty im Schabernack, damals ist die Anlage ausgefallen und ich habe einfach den DJ angesprochen und kam mit ihm ins Gespräch. Er sagte, dass ich mal CDs von meiner Musik vorbeibringen soll. Dann habe ich vier gebrannt und mitgebracht. Das hat sich irgendwie cool angehört, obwohl es ein System war, das ich gar nicht kannte. Danach habe ich das zwei-, dreimal gemacht und dann in der Stadtmauer in Weinheim aufgelegt.


Ihr beide macht das ja nicht hauptberuflich. Wie lässt sich das DJ-Dasein mit eurem Alltag verbinden?


Pablo: Es ist auf jeden Fall nicht einfach. Ich merke das immer mehr. Wenn ich jedes Wochenende von Freitag bis Sonntag auflegen würde, wäre das schon hart. Ich mache ungern mehrere Doppelwochenenden nacheinander. Denn an diesen Wochenenden schläft man sonntags durch und guckt, dass man montags für den Hauptberuf wieder fit ist. Ein richtiges, erholsames Wochenende ist das nicht.


Domi: Man ist ja immer so gegen 6 oder 7 Uhr daheim, unter der Woche klingelt um diese Zeit mein Wecker. Allerdings kommt es darauf an, wo du auflegst. Hier in der Gegend geht’s. Aber generell stecke ich das besser weg als Pablo, vermute ich. Obwohl das auch nicht mehr so einfach ist wie früher, als ich noch etwas jünger war.



Habt ihr nie daran gedacht, hauptberuflich als DJs unterwegs zu sein?


Domi: Nachgedacht habe ich schon. Aber das wäre ein riesen Schritt. Man ist komplett selbstständig. Und wenn dann mal keine Anfragen reinkommen, siehts am Monatsende n bisschen düster aus.


Pablo: Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Mir sind der Spaß- und Hobbyfaktor immer noch wichtiger.


Domi: In der Branche musst du richtig hart gebacken sein. Der nächste, der dich in den Arm nimmt, ist nicht immer dein Freund. Viele DJs kennen sich untereinander, man schließt Freundschaften, macht gemeinsame Gigs.


Pablo: Wer das hauptberuflich macht, muss das knallhart durchziehen, Vollgas geben und es richtig wollen. Du hast nur zwei oder drei Abende in der Woche, an denen du Umsatz machen kannst. Wenn du krank bist, fehlt dir das sofort. Das würde ich mich nicht trauen und so war das bei mir nie gedacht. Das war immer nur ein Hobby, es muss Spaß machen. Es darf nie nur ums Geld gehen.


Domi: Wenn man das nebenberuflich macht, kann man sich seine Gigs noch aussuchen. Als Hauptberuf bist du ja aufs Geld angewiesen und musst vielleicht auch mal einen Job annehmen, der dir nicht so zusagt. Und vor allem: Was machst du, wenn du mal 50 bist?




Apropos Alter: Wie haltet ihr die ganze Nacht lang durch?


Pablo (lacht): Red Bull vertrag ich schon mal nicht mehr.


Domi: Ich trinke Energy-Drinks, bin am Anfang schon manchmal müde, je nachdem, wie anstrengend die Woche war, aber sobald der Laden voll wird, geht’s. Es gibt aber auch einen Punkt, an dem du so müde bist, dass du schon wieder wach wirst, das ist dann meistens zur frühen Morgenstunde.


Pablo: Du bist ständig fokussiert und am Machen und Tun…


Domi: …und hast Adrenalin in dir. Das gehört einfach dazu. Wie müde du eigentlich bist, merkst du erst, wenn das Licht angeht…


Pablo: …und die Musik ausgeht. Mir tun mir dann vom Mitwippen und dem vielen Stehen oft die Beine weh.



Wie lange müsst ihr euch auf eure Gigs vorbereiten? Wie läuft das ab?


Domi: Das kommt ganz drauf an. An normalen Abenden so gut wie gar nicht mehr. Man hat schon so seine vorsortierten Warm-ups, mit Liedern, die die Leute auf die Tanzfläche holen und gute Laune machen. Jeder DJ hat ja so seine Lieder, die er gerne spielt. Aber bei 90er- oder 2000er-Partys bereitet man sich nochmal spezieller vor. Die gibt es ja nicht immer, ändern sich allerdings auch nicht mehr von den Songs her. Oder für die Kerwen. Hier mache ich gerne neue Intros. Ansonsten habe ich unter der Woche auch gar nicht mehr so viel Zeit, um mich vorzubereiten. Etwas komplett anderes sind Hochzeiten. Hier muss man sich sehr viel Zeit im Vorfeld nehmen. Da definiert die Vorbereitungen auch ein Treffen mit dem Brautpaar und und und…

Pablo: Man guckt immer, dass man aktuelle Musik dabeihat. Man kombiniert Neues mit dem, das man eh schon hat. Denn irgendwann sortiert man sich die Musik mal vor. Das ist die eigentliche Vorbereitungsarbeit. Und die passiert über Jahre. Man hat keine vorgefertigten Playlisten, die man einfach abspielt, sondern man legt sich Ordner an und switcht darin rum. Da greift man dann einfach spontan drauf zu. Manche DJs sortieren nach Stimmung, Geschwindigkeit, Stil. Man spielt auch nicht immer die gleiche Musik hintereinander. Es gibt so zwei, drei Titel, die passen halt aufeinander. Da weißt du dann auch, dass sich die Leute freuen und gleich auf der Tanzfläche komplett ausflippen.



Welche Lieder sind das denn zum Beispiel?


Beide: „Danza Kuduro“ von Don Omar und Lucenzo.


Pablo: Das Lied kam 2010 raus und trotzdem - wenn du es jetzt noch spielst…


Domi: …egal, wie viele Leute da sind – gibt es immer Aufschrei und Jubel.


Pablo: Oder „Party Up“ von DMX, „Single Ladies“ von Beyoncé. Irgendwas zum Mitsingen oder Lieder, die jeder kennt. Über Backstreet Boys oder Spice Girls freut sich eigentlich auch jeder.


Domi: Speziell im Schabernack ist es zum Beispiel der Pur-Party-Mix. Der wird hier immer gewünscht. Wenn der um 3 Uhr noch nicht gelaufen ist, kommt bestimmt jemand hoch und wünscht ihn sich. So Gute-Laune-Lieder kommen einfach immer super an.



Wie geht ihr mit Liedwünschen um?


Domi: Die Frage ist, ob man es hat und – noch viel wichtiger - ob es gerade passt.


Pablo: Es ist halt immer das Gleiche. Die Leute kommen und wünschen sich ein Lied und wollen es dann direkt hören. Aber: Zu 90 Prozent passt es nicht. Dann kommen viele öfters und fragen, wann es endlich kommt. Das nervt dann irgendwann. Aber manchmal sind Liedwünsche auch gut. Gerade, wenn ich an das Lied schon lange nicht mehr gedacht habe.


Domi: Wichtig ist, dass die Leute nicht denken, dass wir eine Jukebox sind und du dir auf Knopfdruck Lieder wünschen kannst, die dann sofort abgespielt werden.



Was braucht man denn alles, um DJ zu werden – an Equipment und persönlichen Eigenschaften?


Domi: Viel Musik.


Pablo: Du musst das richtig wollen, die Musik kennen, die Musik leben.


Domi: Du musst die Leute vor dir lesen können und wissen, was sie hören wollen. Du hast ja nicht immer 300 Leute oder mehr vor deiner Tanzfläche. Manchmal sind es vielleicht nur 50 und da ist es schwieriger, dass alle mitgehen. Du kannst das allerbeste Equipment haben. Aber, wenn du nicht weißt, was für Titel du spielst, wie du den Abend ausbaust etc., dann hast du verloren.


Pablo: Theoretisch kann ein David Guetta mit einem kleinen USB-Stick auflegen. Gerüchte sagen ja auch, dass seine Mixe schon fertig sind und er nur Knöpfe drückt und vor Ort gar nix mehr macht. Ich würde jetzt nicht sagen, dass er nix kann, sonst wäre er ja nicht da, wo er heute ist.




Apropos David Guetta – habt ihr Vorbilder?


Pablo: Ein direktes Vorbild habe ich eigentlich nicht. Damals fand ich David Guetta richtig geil. Er legt auf und vor ihm feiern 50.000 Leute. Da ich mit Platten auflege und viel scratche, bewundere ich DJs, die das gut können. Ich will nicht so werden wie sie, finds aber cool, was und wie sie das machen. DJ Iron oder DJ RayD sind so Beispiele.


Domi: Ich lege eher mit dem Controller auf. Da ist das ja nochmal n bissl anders.


Pablo: Er hat mich zum Vorbild, wills aber nicht zugeben (lacht).


Domi: Genau (lacht). Ich schaue aber auch viel, was die DJs in Urlaubsregionen, wie zum Beispiel am Ballermann machen. Sie haben als mal echt gute Ideen, um die Leute mit Sprüchen passend zur Musik in Stimmung zu bringen. Sie gehen mit dem Trend und nutzen das Mikrofon, um die Leute zu animieren, das pusht. Deswegen ergänzt es sich gut, wenn Pablo und ich zusammen auflegen. Unsere Musikstile und -richtungen sind unterschiedlich und passen doch gut zusammen.



Würdest du am Ballermann auflegen wollen?


Domi: Auf jeden Fall. Das ist ein Traum von mir. Am liebsten im Megapark – nicht als Special Act, sondern einfach als Resident im Team.


Pablo: Für mich wäre eine Open-Air Party in die Richtung Hip-Hop interessant. Oder auf einem Partyboot in Heidelberg oder auf einem Festival mit ein paar Tausend Leuten oder so.



Was bedeutet Musik eigentlich für euch?


Pablo: Sehr viel. Musik geht bei mir sogar unter die Haut. Sie gehört zu meinem Leben einfach dazu.


Domi: Musik ist wie eine Droge. Einfach den Stöpsel ins Ohr und du vergisst alles um dich herum.



Wie hat sich euer Leben durch die Musik und das DJ-Dasein verändert?


Pablo: Das ist eine gute Frage. Ich weiß ja nicht, wie es ohne wäre. Ich wüsste gar nicht, was ich ohne Musik machen würde.


Domi: Durch unser DJ-Dasein stehen wir ja schon in der Öffentlichkeit. Wir sind bei Weitem keine Stars, aber dennoch erkennen uns die Leute und sprechen uns auch mal an.


Pablo: Wir sind ja echt kleine Nummern. Aber in Weinheim sind wir bei vielen Leuten bekannt.


Domi: Aber groß verändert habe ich mich deswegen eigentlich nicht. Ich war schon immer musikinteressiert und habe das einfach ausgebaut.



Was bedeutet das DJ-Sein für euch?


Pablo: Das ist wie eine Sucht. Ich habe das Gefühl, ich muss das für mich machen. Das war schon immer mein Hobby, ich wüsste auch nicht, was ich sonst machen soll.


Domi: Ich will meine Mixe an die Menge bringen. Da tanzen die Leute drauf und sie haben gute Laune.


Pablo: Wenn man sieht, wie die Leute jubeln und abdancen, dann ist das Bestätigung für unsere Arbeit. Dann hatte ich Spaß, weil die Leute Spaß hatten und dann hatten wir alle ein tolles Wochenende.


Domi: Und das ist auch der Hauptgrund, warum wir DJs geworden sind: Weil es einfach Spaß macht. Und das muss immer im Vordergrund stehen.




Habt ihr Tipps, wie man seine Ziele erreichen kann?


Domi: Man muss ein gutes Selbstbewusstsein haben und drauf scheißen, was die anderen sagen. Ich glaube, wenn ich mit 15 Jahren angefangen hätte, dann hätte ich den Mut nicht gehabt. Auch heute gibt es noch Leute, die negativ reden, aber das ist mir egal.


Pablo: Damals habe ich einfach nicht drüber nachgedacht, weil ich eh nix zu verlieren hatte. Aber je professioneller du wirst, umso mehr denkst du darüber nach. Heutzutage ist es viel einfacher, DJ zu werden. Im Internet gibt es Tausend Videos und man kann sich günstig Equipment besorgen.


Domi: Aber genau deswegen ist es heute schwieriger, sich als DJ einen Namen zu machen, weil es eben jeder versucht.



Habt ihr euch einen Zeitpunkt gesetzt, an dem ihr aufhören wollt?


Domi: Ich bin da eher offen. Wenn es mir zu viel wird, dann werde ich zurückschrauben. Aber danach sieht es bisher nicht aus.


Pablo: Ich hatte schon mal überlegt, aufzuhören, hab es dann aber zum Glück nicht gemacht. Das war damals einfach zu viel. Aber heute bin ich froh, dass ich weiter gemacht habe. Ich könnte nicht ohne Musik leben.


Domi: Mein DJ-Name ist ja DJ Minimi. Wenn ich mit 40 noch so heiße, weiß ich nicht, ob das so gut angenommen wird, oder ob sich die Leute dann eher drüber lustig machen...vielleicht wechsle ich dann einfach den Namen. Wer weiß?



Wie seid ihr zu euren DJ-Namen gekommen? Sucht man sich die aus oder werden sie zugewiesen?


Pablo: Eigentlich sucht man sich die selbst aus, außer…


Domi: … bei mir. Mir wurde er zugewiesen. Damals kam der Film Austin Powers raus. Ein Kumpel verpasste mir deswegen den Spitznamen „Mini-Me“. Ich habe den Namen gehasst. Aber irgendwie hat sich der Name eingebürgert und alle haben mich so genannt. Jahre vergingen und als ich dann mit dem DJ’ing angefangen habe und einige Male aufgelegt hatte und noch keinen Namen hatte, hat dann ein Kumpel gefragt, wieso ich mich nicht einfach DJ Minimi nenne.


Pablo: Bei mir wars die südamerikanische Verwandtschaft. Meine Oma hat immer zu mir gesagt, dass ich als Kind "El Loco" (deutsch: der Verrückte) war.



Hattet ihr immer Unterstützung oder musstet ihr euch auch mal rechtfertigen, dass ihr jetzt als DJs unterwegs seid?


Pablo: Wenn mir meine Eltern kein MacBook geschenkt hätten, hätte ich aufgehört. Denn als ich vor ein paar Jahren das dritte Mal im Schabernack aufgelegt hatte, ist mir der alte Rechner abgeschmiert. Dann war die Musik für 5 Sekunden aus. Mir kam das aber vor wie eine Ewigkeit. Danach habe ich ein halbes Jahr pausiert. Mir war das einfach so peinlich. Meine Eltern schenkten mir dann das MacBook, damit es weiter gehen konnte. Meine Mum ist mein größter Fan, sie wollte immer CDs von mir haben.


Domi: Bei mir war das anders. Mit 23 Jahren war ich schon ausgelernt und konnte mir das DJ-Equipment selbst kaufen. Unterstützung habe ich viel von Freunden und Familie bekommen. Die waren und sind auch noch oft bei Gigs dabei. Da freut man sich immer riesig.




Aktuelle Dates für August


2. August: First Friday, Schabernack Weinheim

9. August: ab 23 Uhr, After-Kerwe-Party, Schabernack Weinheim

10. August: ab 23 Uhr, After-Kerwe-Party, Schabernack Weinheim





Bilder: Kai Ibkendanz


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