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Haben wir das „Anhalten“ verlernt?

„Schneller, höher, weiter“


Wir wollen immer der oder die Beste in allem sein - schöner, klüger und talentierter. Wollen mehr verdienen als andere und mehr Besitz, tollere Freunde, einen besseren Partner und mehr Ansehen und Ruhm. Der Wettbewerb boomt, mehr denn je, stärker denn je. Alles muss perfektioniert werden. Wir vergleichen uns jeden Tag zu jeder Zeit und die wenigsten finden sich wirklich gut genug, so wie sie sind. Wir machen uns Gedanken über die Auswirkungen von unserem Handeln in zehn Jahren, spielen deshalb nur selten auf Risiko und fragen uns, was einmal aus uns werden soll. Dabei sind wir doch schon längst, im Hier und Jetzt.


Zeitverschwendung oder bewusster leben?


Immer muss alles möglichst schnell gehen: Viele Terminplaner sind teilweise schon mehrere Jahre im Voraus dicht gefüllt. Die eigenen Gedanken sind einem schon lange - Stunden oder gar Tage – voraus. Und ob man zu einem Geburtstag tatsächlich erscheinen kann, weiß man erst, wenn man seinen Kalender mehrmals auf mögliche, noch nicht beschriebene Seiten überprüft hat. Dabei wissen wir doch eigentlich gar nicht, ob der nächste Tag für uns überhaupt stattfinden wird. Die Band Nickelback beschreibt das in ihrem gleichnamigen Song treffend: „If today was your last day…“. Die Zeit hält nicht für uns an, egal wie schön, reich oder höflich wir auch sein mögen. Nein, sie tut diesen Gefallen leider absolut niemandem – nicht mal der Queen oder dem Präsidenten von XY. Es ist ein Gesetz, das einfach gnadenlos für jedes Lebewesen seit Jahrmillionen gilt (schließlich sind selbst die Dinos deshalb ausgestorben). Jeder Tag kann unser letzter sein, genau wie der eines geliebten Menschen oder treuen Wegbegleiters. Das sollte man nie vergessen! Wenn man zu leichtgläubig und naiv oder unbedacht mit seiner Zeit umgeht, wird man es wahrscheinlich später mal bitter bereuen. Warum verschwenden wir wertvolle Lebenszeit also mit dem ständigen Planen von Dingen, wenn wir unsere Zukunft nicht einmal ansatzweise erahnen können?


Nutze deine Chance.


Das Leben ist nur selten wirklich fair. Ehe du dich versiehst, macht es alles zunichte, wofür du - dein ganzes Leben lang – gekämpft hast und kann dir zu jeder Zeit alles, nehmen was du liebst. Unvorbereitet und knallhart. Deshalb: lerne zu schätzen, was Leben bedeutet und wie wertvoll es eigentlich ist. Du hast nur diese eine Chance, wie jeder andere auch. Zeit wartet nicht, also geh sorgsam mit ihr um. Vielleicht siehst du die Dinge ja auf einmal mit ganz anderen Augen.


Zählt das Hier und Jetzt eigentlich noch oder leben wir nur noch in der Zukunft?


Ein Lebensmotto, das ich persönlich sehr passend finde und mich auf Schritt und Tritt begleitet, lautet: „Life is what happens, while you’re busy making plans.“ Was so viel bedeutet wie: Egal, wie groß unsere Pläne auch sein mögen, während man gerade fleißig am Planen ist, kann einem das Leben zu jeder Zeit hemmungslos einen Strich durch die Rechnung machen. Nicht wir entscheiden, sondern das Leben selbst. Ob du hungernd in einem Karton vor dich hinvegetierst oder ob du in Saus und Braus in einer Villa lebst und nie mehr einen Finger rühren müsstest, um überleben zu können - es tritt ein, ob wir wollen oder nicht.

Verhandlungen oder Bestechung sind übrigens bedauernswerterweise nicht von Erfolg gekrönt. Natürlich habe wir einige Entscheidungen und Ausgänge auch selbst in der Hand, aber eben nur das Grundgerüst, die Theorie, den erhofften Ausgang. Wir sind ständig beschäftigt, damit wir nicht den Anschluss verlieren. Bloß nichts verpassen und nicht anecken, wenn man doch mal eine eigene Meinung hat. Das Absurde daran ist, dass man zwar im besten Falle immer auf dem Laufenden ist und genau weiß, was um einen herum passiert. Zum Beispiel, wer mit wem bei den Stars und Sternchen in Hollywood zusammengekommen ist, sich nach einer Woche wieder getrennt hat oder dass jemand „Wichtiges“ am anderen Ende der Welt jetzt ein neues Tattoo hat. Aber das Wichtigste, das eigene Leben, gerät dabei nicht selten völlig in Vergessenheit.


Unsere ganz persönlichen News


Wann lesen wir unseren eigenen Klatsch und Tratsch, unsere News? Zum Beispiel, was uns am Tag beschäftigt, weshalb wir uns wieder mit jemandem, der eigentlich unser „Star“ im Leben ist, wieder mal gestritten haben? Warum hat sich ein Freund abgewandt und warum fühlt sich das alles doch irgendwie nicht so richtig an, wie wir es wahrgenommen haben? Was treibt uns an indem was wir tun? Warum machen wir uns eigentlich die Mühe und hetzten uns Tag für Tag ab? Für uns oder für andere?

Wie ein weises Sprichwort es auf den Punkt bringt: „Geh im Tempo deiner Seele.“ Vielleicht sollten wir mehr auf unser ganz persönliches Tempo achten. Denn auch, wenn wir ständig von A nach B rennen, um uns die Miete leisten zu können oder den Kühlschrank füllen zu können, sollten wir nicht vergessen, „unsere News“ zu lesen und einfach mal stehen zu bleiben und uns eine Pause zu gönnen. Dann kann man sich auch gerne wieder den Schlagzeilen der Schönen und Reichen widmen.


Die Sache mit dem Alter


Wir werden unaufhaltsam älter, ob wir wollen oder nicht (auch, wenn das so mancher der Spezies „Homo sapiens“ unter keinen Umständen wahrhaben will und dagegen mit aller Gewalt und teils äußerst fragwürdigen Methoden angeht). Verlorene Zeit kann uns keiner zurückgeben, das Zeitreisen wurde – noch nicht - erfunden und einen „Rewind“- oder „Repeat“-Knopf gibt es leider ebenso wenig.


Fang an zu leben! Was du tun kannst, um deinem Tempo ein Limit zu geben

Tu was für dich und bitte: existiere nicht nur, lebe!


Eigentlich ist es ganz einfach – dabei muss es nicht immer Yoga sein: Mach das, was dir Spaß macht. Nur dir. Tu nicht, was andere sagen, was dir Spaß zu machen hat - sondern das, was dich glücklich macht. Und dann: Sei es eben auch nur für einen Moment. Einige Beispiele, was du tun könntest: Nimm dir dein Lieblingsbuch, schau eins, zwei Folgen deiner Lieblingsserie, genieß einfach die Natur, den Wind - jetzt in den wärmeren Tagen freundlicherweise auch mal die Sonne – oder hör deine absoluten Lieblingssongs rauf und runter. Vielleicht bist du einer der Glücklichen und bist künstlerisch begabt - dann kannst du dir Papier und Bleistift holen und einfach drauf loszeichnen. Falls du eines hast – kuschel dich an dein Haustier, deinen pelzigen Fußwärmer. Spür seine Wärme und wie sein Herzschlag mit deinem schlägt. Wenn du eher der geselligere Typ bist, geh mit den Menschen, die dir am meisten etwas bedeuten - Freunde oder Familie – dahin, wo du schon immer mal hinwolltest und versuche zu erleben, was du schon immer mal tun wolltest – wahlweise natürlich auch alleine. Oder mach die Nacht zum Tag. Sollte dir nichts davon zusagen, kannst du es natürlich auch „Sherlock“ gleichtun und deinen ganz persönlichen Gedankenpalast aufsuchen ;)


Einen Rat möchte ich dir noch mit auf den Weg geben: Sieh zu keiner Zeit, niemanden und nichts als selbstverständlich an. Sag am besten jedem, der dir wichtig ist, was er dir bedeutet, solange du es noch kannst und vertrau dir und deinen Entscheidungen vielleicht ein wenig mehr. Der erste Gedanke ist oft schon der Richtige.


Kurz: Leb doch einfach mal im Moment, im Hier und Jetzt. Dein Körper und deine Seele werden es dir sicher danken!


Marie Ripp

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