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  • Sophie

Ich bin eine Drag Queen

„Sally Fish“ ist eine Drag Queen aus Mannheim. Sie ist Teil der „Queens of Mannheim“. Wie so ein Leben als Drag Queen aussieht und wie es dazu kam, hat sie uns in einem Interview erzählt.

Wie kamst du dazu, Drag Queen zu werden?

Ich war mit 18 auf Szene-Partys unterwegs, so wie man das eben als junger Mensch macht. Dort hat man natürlich auch Drag Queens gesehen, sowohl bei Shows als auch so. Am Anfang fand ich das ganz absurd und habe nie verstanden, wie man so unterwegs sein und auch auf der Bühne stehen kann. Tja, dann kam Halloween und ich habe mich einfach mal ausprobiert. Dann habe ich immer mehr Inspiration durch Social Media bekommen, vor allem durch Facebook, und so kam der Ansporn.


Hast du eine Mentorin?

Bei uns Drags ist das so, dass es Dragmütter gibt. Das hat einen historischen Hintergrund. Deine Dragmutter ist quasi sowas wie deine Ansprechpartnerin. Sie gibt Tipps, passt ein bisschen auf und hilft, wenn man Fragen hat.

Bei mir hatte „MissOnyx“ das übernommen. Generell ist es aber schon so, dass man da sehr viel Eigeninitiative mitbringen muss.


Hast du dir dann auch selbst das Schminken und stylen beigebracht?

Ja, und sowas dauert auch. Ich habe mir generell alles selbst beigebracht. Man läuft ja auch nicht direkt perfekt auf High Heels. „MissOnyx“ hat mir aber immer wieder Ratschläge und Tipps gegeben. Ich habe ein dreiviertel Jahr geübt, dann bin ich als „Sally Fish“ raus. Und das ist auch schon eine Überwindung gewesen. Man realisiert dann schließlich erst, wie anders man wahrgenommen wird.


Wie lange dauert denn deine Verwandlung in „Sally Fish“?

Ich lasse mir da gerne auch etwas Zeit und genieße die Verwandlung. Es sind schon so 4 Stunden, bis ich fertig bin. Alleine für das Make-Up brauche ich 2 ½ bis 3 Stunden.


Wie viele Outfits besitzt du denn?

Das kann man so genau nicht sagen. Ich trage gerne immer wieder neues oder kombiniere neu. Und: Mein Freund kann ziemlich gut Nähen, das hilft natürlich auch. Outfits und auch Stoffe kosten natürlich Geld. Aber so wie es eben im Leben immer ist: von nichts kommt nichts


Was ist es für ein Gefühl, in eine andere Haut zu schlüpfen? Beim Drag geht es ja nicht darum sich zu verkleiden, sondern zu zeigen, wer und wie man ist. Wenn ich mich in „Sally Fish“ verwandle, ist das ein fließender Übergang. Die Bewegungen und die Attitüde werden anders, die Gesichtszüge spitzer. Man hat dann ein ganz anderes Selbstbewusstsein.


Wie stehst du eigentlich zu der Show „Queen of Drags“?

Zuerst muss man sagen, dass es schön ist, dass so eine Show Platz im Mainstream findet. Auch einige der Teilnehmer kenne ich persönlich oder von Social Media. Leider hat die Show die Szene sehr einseitig gezeigt. Der ganze Kreationsprozess kam viel zu kurz. Es gibt noch so viele andere Facetten von Drag. Allerdings muss man auch bedenken, dass es eine Reality-TV-Show war und auch unterhalten sollte. Letztendlich war „Queen of Drags“ eine weitere Heidi-Klum-Show.


Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, dass du als Drag Queen unterwegs bist?

Am Anfang gab es da schon noch Klärungsbedarf, aber mein engeres familiäres Umfeld steht da vollkommen hinter mir. Man bindet es aber generell nicht jedem auf die Nase, man möchte da manchmal auch etwas anonym bleiben.


Wie sind deine Erfahrungen mit Homophobie?

Als Drag Queen bekommst du schon das eine oder andere mit. Handgreiflich wurde es zum Glück noch nicht. Hate-Kommentare, Pöbel und sowas habe ich schon erlebt. Vor die Füße gespuckt wurde mir auch schon. Ich würde mich nicht trauen, nachts alleine in Drag durch Mannheim zu laufen, geschweige denn so die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Ich versuche, Konfrontationen aus dem Weg zu gehen.


Hast du einen Rat für andere, die das auch gerne machen möchten?

Generell: einfach machen! Eigeninitiative ist in der Szene ganz wichtig. Man kann nur erfolgreich sein, wenn man man selbst ist und einen eigenen Style kreiert. Ich habe schon viele gesehen, die daran gescheitert sind,weil sie die falschen Beweggründe hatten. Wenn das jemand tut, dann tut er es für sich- nicht für Geld, nicht für die Szene, nicht für jemand anderen. Denkt nach bevor ihr euer Geld zum Fenster raus schmeißt! Lieber etwas qualitativ hochwertiges kaufen und länger etwas davon haben. Und wenn man gar keine Ahnung hat, kann man immer noch eine Drag Queen der Wahl freundlichst fragen.


Wie sieht deine Zukunft aus?

Aktuell mache ich noch meinen Master of Education für das Lehramt an Gymnasien.

Bedingt durch die aktuelle Corona-Situation weiß ich ehrlich gesagt noch nicht, wo die Reise hingeht. Der Christopher-Street-Day wurde ja leider schon abgesagt, die Clubs sind zu. Das bedeutet also, dass man das Hobby nicht so exzessiv leben kann, wie in den vergangenen Jahren.



Mehr über Sally Fish findet ihr auf ihrem Instagram Account: https://www.instagram.com/the_sallyfish/


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