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  • Sophie

Jura ist mehr als Anwalt werden!

Wir kennen alle diese Serien, egal ob Suits oder Richterin Barbara Salesch - die Anwälte kämpfen um das Recht ihrer Mandanten. Ob Strafrecht oder Wirtschaftsrecht - es gibt so viele Bereiche, auf die sich ein Anwalt spezialisieren kann. Dafür muss man Jura studieren. Doch Jura ist so viel mehr, als nur die klassischen Berufe wie Rechtsanwalt, Richter oder Staatsanwalt.


Rebecca ist Juristin. Aktuell ist sie tätig als Leiterin des Personalreferats bei einem Polizeipräsidium. Wieso sie dafür Jura studiert hat und was man alles mit einem Jura-Studium machen kann, das erfahrt ihr in diesem Beitrag.


Wie hast du dir diesen Beruf / dieses Studium als Kind vorgestellt? Unter Jura habe ich mir als Kind immer diese klassischen juristischen Berufe wie Staatsanwalt, Rechtsanwalt oder Richter vorgestellt. So, wie man es eben aus den klassischen „Gerichtsshows“ kennt.


Wolltest du als Kind auch schon Juristin werden? Für mich hat sich das eher in der siebten Klasse so ergeben, seitdem wollte ich Jura studieren und Richterin werden.


Warum hast du dich für deinen aktuellen Beruf entschieden, wenn du doch Richterin werden wolltest?

Die Strafverfolgung fand ich schon immer sehr interessant. Mit dem Job als Richterin hatte es nun einfach nicht geklappt, aber da ich bei der Polizei bin, bin ich ja auch recht nah am Thema. Personal war mein zweiter Schwerpunkt im Studium, da hat das dann einfach gut gepasst. Mit dem Beruf kann ich einen Beitrag zur Strafverfolgung leisten. Ich denke, das ist ein guter Kompromiss zum Richteramt und so habe ich eine gute Kombination aus Strafverfolgung und Personal.


Was macht dir an deinem Beruf am meisten Spaß

Allgemein auf die Juristerei bezogen: Auf jeden Fall die Abwechslung und die Möglichkeiten, beim Jura-Studium. Man kann sowohl die klassischen Berufe wie Richter, Rechtsanwalt oder Staatsanwalt ausüben, als auch in die Innenverwaltung bei Landesämtern oder Bundesämtern gehen. Natürlich ist es auch möglich, in die freie Wirtschaft zu großen Konzernen oder Krankenhäusern zu gehen.


Das ist eben auch die Schwierigkeit: Man hat die Qual der Wahl. Es ist oftmals ziemlich schwer, dann zu entscheiden, was man genau machen möchte.


Wie sieht dein Arbeitsalltag aktuell aus?

Ich arbeite erst seit dem 1. Oktober bei der Polizei. Beim Personal ist immer Bewegung drin. Ich bin dort eher für Sachen zuständig, die komplexer sind. Meine Aufgabe ist die Organisation, weniger die Sachbearbeitung.

Allgemein für die Juristerei kann man sagen, dass jeder Tag anders aussieht. Es geht darum, sich jeden Tag auf was Neues einzustellen. Neue Rechtsfragen oder Sachthemen. Manchmal gibt es auch Projekte, an denen arbeitet man dann mehrere Tage.


Was ist das Herausforderndste an deinem Job?

Verantwortung. Als Jurist ist man eine Führungskraft und man hat Personalverantwortung. Die Entscheidungen, die man trifft, haben Konsequenzen für andere Personen. Wenn man als Jurist Fehler macht, dann ist es ein Mensch, dem man Schaden zufügt. Auch als Anwalt muss man für seinen Mandanten da sein und kann persönliche Schicksale treffen.


Wie wird man Jurist?

Einfach gesagt, man muss Jura studieren, also Rechtswissenschaft. Man schreibt zwei Staatsexamen und besucht mehrere unterschiedliche Stationen. Dazu gehören unter anderem: Zivilrecht, Strafrecht und Verwaltung. Man kann auch ein Auslandssemester machen, ich war zum Beispiel in einer Kanzlei im Ausland. Zwei mündliche Prüfungen gehört ebenfalls dazu.

Da ich in Mannheim studiert habe, habe ich einen Kombinations­studien­gang gemacht und hatte bereits nach sechs Semestern einen ersten berufs­qualifizierenden Abschluss als "Bachelor of Laws". An der Universität Mannheim wird man quasi zu Juristen mit wirtschafts­wissenschaft­licher Zusatz­qualifikation ausgebildet.


Was war denn dein krassestes Erlebnis?

Das war während meines Studiums. Im Referendariat ist eine Station die Staatsanwaltschaft. Da musste ich Sitzungsvertretung machen, das heißt man geht als Staatsanwalt in die Verhandlung. Einen Tag davor holt man bei der Staatsanwaltschaft den Terminplan und die Akten ab und bekommt einen Tagesplan. Auf meinem stand dann Verhandlung „Besitz kinderpornografischer Dateien“. Die Akte war auch ziemlich dick… darin enthalten waren viele Bilder und Bildausschnitte der Videos. Die Akte muss man natürlich bearbeiten und das Material einsehen. Das war schon krass.

Ein anderer Fall kam beim Strafverteidiger auf mich zu. Da hatte ein Mann seine Ex-Freundin zerstückelt und vergraben. Wenn man solche Akten bearbeitet, dann fährt man schon mal mit nem anderen Gefühl nachts mit der Bahn. Auch die JVA-Besuche waren teilweise echt krass.

Die Zeit war für mich auch eine Herausforderung und der Selbsttest, ob ich bei solchen Fällen Arbeit und Beruf gut trennen kann, ohne Vorurteile zu haben ... das geht aber ganz gut!


Was würdest du jemandem raten, der diesen Beruf auch machen möchte?

Das Studium ist sehr hart. Es erfordert viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Das Studium ist auch sehr lang. Es ist schwer und umfangreich. Ich habe während meinem Studium sehr viele Studenten gesehen, die abgebrochen haben. Bei den meisten scheitert das Studium nicht an der Intelligenz, sondern daran, dass es so lang ist.


Welche Klischees gibt es über den Beruf?

  • Man sieht es einigen Leuten an, dass sie Jura studieren. Stimmt absolut!

  • Bei Jura muss man alles auswendig lernen: stimmt nicht! Man muss nichts auswendig lernen, also zumindest keine Gesetze. Nur die Rechtsprechung zu manchen Paragrafen und die Auslegung, die muss man lernen.

  • Juristen sind Paragrafen-Reiter: stimmt schon. Man wird bisschen ein Fachidiot, man sieht schneller Dinge und denkt darüber nach, ob das strafrechtlich so ok ist.



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