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  • Theresa

„Man sollte nicht zimperlich sein“

Eigentlich sollte er total in sein, denn er gehört zu den Umweltberufen: der Müllwerker. Trotzdem begegnen „Fachkräfte für Abfall- und Kreislaufwirtschaft“, wie sie offiziell heißen, immer wieder Vorurteilen. Warum der Job dennoch sein Traumberuf ist und wer ihn lieber nicht ergreifen sollte, hat Lukas Grieb uns für den (B)ENGEL-Themenmonat erzählt.



Lukas Grieb ist Fachkraft für Abfall- und Kreislaufwirtschaft.

Dienstagmorgen, acht Uhr. Es ist kalt, nass und grau und Lukas Grieb hat vor einer viertel Stunde seine Schicht begonnen. Mit seinem neonorangenen Anzug fällt der 21-Jährige im Novembergrau sofort auf, während er über die AVR-Anlage in Hirschberg führt. „Fachkraft für Abfall- und Kreislaufwirtschaft“ wollte Grieb, der in Wiesloch wohnt, schon immer werden: „Mein Vater arbeitet auch bei der AVR, deshalb kannte ich den Job. Ich habe dann ein Praktikum gemacht und das hat mir gut gefallen.“ Im Juni hat er seine Ausbildung beendet, als einer der besten der IHK Rhein-Neckar. Seither arbeitet er festangestellt bei der AVR.


„Am meisten mag ich an meinem Beruf die Abwechslung“, sagt Grieb. „Kein Tag ist wie der andere.“ Mal sitzt er in der Umschlaghalle auf dem Radlader. Mal bedient er die große Waage am Eingang der AVR-Anlage. Auf die müssen Lkw und Pkw fahren, die Müll bringen, damit die Menge gewogen werden kann. Mal überwacht Grieb in der alten Halle das Umladen des Biomülls. „Das ist gar nicht so einfach. Weil der Müll so stark zusammengepresst ist, kann da schnell mal ein ganzer Brocken runterfallen.“


Bis zu 20 Müllautos kommen auf der Anlage in Hirschberg jeden Tag an. Sie bringen den Müll, den die AVR im nördlichen Rhein-Neckar-Kreis sammelt. Den Restmüll und den Abfall aus der Grünen Tonne Plus laden sie in der Umschlaghalle ab. Grieb und seine Kollegen schieben die Müllberge dann mit einem Lader zusammen und verladen sie in Sattelschlepper, die den Restmüll in die Verbrennungsanlage nach Mannheim und den Abfall aus der Grünen Tonne Plus in die Sortieranlage nach Sinsheim bringen. Der Biomüll geht ebenfalls nach Sinsheim. Der AVR-Standort in Hirschberg ist also nur ein Umschlagplatz, hier wird kein Müll verbrannt oder deponiert.


Stinkt das nicht? Nur am Tag nach dem Urlaub

Es ist ganz schön laut zwischen den Hallen und Containern. Wenn der Lader in der Umschlaghalle rückwärtsfährt, macht er ein ziemlich unangenehmes Geräusch; die Lkw, die in regelmäßigen Abständen angerollt kommen, sind auch nicht gerade leise. Macht Grieb das nichts aus? „Mit der Zeit hört man das gar nicht mehr“, meint er. Und der Geruch? Gerade der Restmüll stinkt doch ganz schön. „Das fällt mir auch nicht mehr auf. Höchstens nach dem Urlaub, da rieche ich das dann einen Tag lang.“

Drei Jahre dauert die Ausbildung zum „Müllwerker“, wie der Beruf umgangssprachlich genannt wird. Was man für den Job mitbringen sollte? „Man muss schon aufmerksam sein mit den Maschinen“, meint er. „Und man sollte nicht zimperlich sein und auch körperlich arbeiten wollen.“ Außerdem sollte einem klar sein, dass im Müll auch gefährliche Stoffe sein können. „Aber es gibt natürlich Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel Handschuhe und Atemmasken“, stellt Grieb klar.


Was ihn am Job am meisten nervt? „Unbelehrbare Kunden“, sagt er bestimmt. Manche Leute würden extra noch einmal nachfragen, wie sie den Müll richtig trennen – das sei super. Andere seien aber uneinsichtig und könnten zudem nicht verstehen, wieso sie Geld bezahlen müssen, wenn sie Bauschutt oder Restmüll zur AVR bringen. Ein anderes Beispiel, das Grieb ärgert: Heiße Asche und Batterien im Restmüll. Die sind im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich und vermutlich auch verantwortlich für das Feuer, das im August in der Umschlaghalle ausbrach.


Übrigens: Dass es im Zuge von "Fridays for Future" mehr Bewerber auf die Ausbildungsplätze bei der AVR gibt, kann das Unternehmen nicht feststellen. Immerhin: Die Zahl der Praktikumsbewerbungen sei gestiegen.


Die AVR schreibt jedes Jahr zwei Ausbildungsplätze zur Fachkraft für Abfall- und Kreislaufwirtschaft mit Schwerpunkt Abfallbeseitigung und -behandlung aus. Ab nächstem Jahr wird es zusätzliche Plätze mit Schwerpunkt Logistik, Sammlung und Vertrieb geben. Das Einstiegsgehalt in der Ausbildung beträgt etwa 1000 Euro brutto. Weitere Infos: https://www.avr-kommunal.de/unternehmen/ausbildung/



Mit dem Radlader schieben Grieb und seine Kollegen den Müll in der Umschlaghalle zusammen und verladen ihn auf Sattelschlepper.

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