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Mein Monnem – meine Heimat – mein Dialekt

Zum heutigen Tag der Muttersprache reist die (B)ENGEL-Redaktion in die Vergangenheit – etwa 60 Jahre zurück, als es noch ganz normal war, dass beispielsweise in der Grund- und Realschule Dialekt gelehrt wurde. Heute unvorstellbar. Denn mittlerweile sind die Lehrer bekanntlich froh, wenn ihre Schüler überhaupt richtig hochdeutsch schreiben können.

Aber es gab einmal eine Zeit, in der das nicht so war. Die 67-jährige Irene aus Weinheim erinnert sich. Sie wuchs in Mannheim auf und ging in Feudenheim auf die Schule. Dort hat sie einige Gedichte gelernt – viele handelten von der Stadt Mannheim und waren, natürlich, in Dialekt verfasst. Warum? Das fragt sie sich heute noch. Aber die meisten davon kann sie noch auswendig.


Und sie findet es schade, wenn das alles verloren geht. Denn die Gedichte gibt es so im Internet nicht. „Seit 60 Jahren sage ich jedes Jahr ,De Monnemer Maimarkt‘ mir selbst vor und ich bin überrascht, dass ich es noch kann“, erzählt sie. Dieses Gedicht spiegelt Mannheim vom Maimarkt zur Maimesse wider.


Wenn Irene an die Gedichte denkt, die sie in ihrer Schulzeit gelernt hat, kommt Freude auf. „Jahrelang lagen sie in meinem Kopf und wollten nicht raus.“ Die Gedichte verbinden sie mit ihrer Kindheit. Die sei eine wunderbare Zeit gewesen „und immer wieder habe ich Gedichte aufgesagt, manchmal selbst gedichtet und zu besonderen Anlässen vorgetragen“.


Sie war in der Ballettschule Rothmund in Mannheim, ist im Märchentheater Kurpfalz im Rosengarten aufgetreten, später war sie mit der Ballettschule beim Feurio, zum Beispiel auf dem Weißen Ball. Sie war 1967 im Fernsehen mit Max Greger, bei Vergiss mein nicht mit Peter Frankenfeld.


Wenn sie heute ihren Kindern (36 und 37 Jahre alt) oder den Enkeln in Dialekt etwas sagt, dann wird sie meist korrigiert und der Enkel, der in der 2. Klasse ist, sagt: „Oma das heißt aber so, wie redest du?“ Da muss Irene oft schmunzeln. Wie sich doch die Zeit geändert hat.


Das merkt sie aber nicht nur am Dialekt, sondern generell, wenn sie durch Mannheim spazieren geht.

„Es gab niemals eine abenteuerliche Situation, ich hatte niemals Angst oder Schrecken. Wie würde das Heute ablaufen? Ich fuhr alleine mit etwa neun Jahren mit der Straßenbahn zum Ebertpark und sagte nur zum Schaffner, er soll mir bitte sagen, wann ich aussteigen muss. Ist dies heute noch möglich? Ich glaube nicht.“


Manchmal trifft sie sich mit Schulkameradinnen und sie laufen durch ihr "Feudenheim", denken vielleicht an den ersten Kuss am Neckar und die Auftritte im Prinz Max in der Katholischen Jugend.

Nur für die (B)ENGEL-Community hat Irene das Gedicht „De Monnemer Maimarkt“ und das „Monnemer Lied“ aufgeschrieben:


De Monnemer Maimarkt


Es is im ganze Badner Land

de Monnemer Maimarkt wohl bekannt.

Denn jeder Bauer schickt e Kuh,

manchmol e fette Sau dezu,

en Ochs, sechs Ferkel und zwe Kälber

un schließlich kummt sogar selwer,

dieweil er nämlich spekuliert,

des gröschte Vieh, des wert prämiert.


Un manchmol un des is kä wunner

kriegt er kenn Preis, fellt newe nunner,

do macht er e verdutschtes Gsischt

un schänt sogar uffs Preisgericht,

des fun de Rindviehqualität

seiner Männung nix versteht.


Viel Grund zum schimpfe a zum schänne

gibts monchmal ach beim Pferderenne,

weil halt de Gaul uff den man gsetzt hot,

die Siegeshoffnung schwer verletzt hot.

dieweil er wie en lahmer Glowe

gemütlich hinne noch is gschobe,

doch wie de nächste Ritt dut kumme,

do bisch scho widder bei de dumme.


Do hängscht de Kopp un denkscht ganz bitter

ach hätt ich na moin Eisatz widder,

doch wie den nächste Ritt dut kumme,

do bischt schun widder bei de Dumme.


Zum Maimarkt, dass ichs net vergess,

gehört natürlich ach die Mess,

do kann ma a sei Geld verputze,

kann schä am Zuckerstengel schlutze,

do kriegt ma ach e süsse Schnut,

dann geht man zu der Waffelbud,

wo man vergnügt un ganz entzückt

zwee warme Waffle schnell verdrückt.


Dann tut die Achterbahn em locke,

ma konn sich in de Warre hocke,

fährt uff un ab im Sturmgebraus

un werts äm schlecht, do steigt ma aus.


Dann konn ma hin un her spaziere

konn sich beim Kasper amüsiere,

kann schiese, reite unverdrosse

kann sich fototgrafiere losse

un wenn ma Geld hot und gibts her

schiesst ma sogar en Teddybär.


Zum Schluss noch lässt mich sich verleide,

geht zu de Sehenswürdigkeide,

die Rieseschlang, die derf net fehle

ihr Wärter dut gerad verzelle,

sie frisst zum Frühstück, hör nur zu

en Ochs der größer is als du.


Jaja ihr Leit, ich sags euch blos,

im Mai, do is bei uns was los,

kummt her zu uns dut euch net bsinne,

ihr kennt sogar en Gaul gewinne,

seit kreuzfidel und singt dabei

nur emol blüht im Johr der Mai

und ruft mit fröhlichem Hallo

die Fahne raus, der Mai is do.



Lied: E eschtes Monnemer Mädel


Ich bin e eschtes Monnemer Mädel, die schönste vun de Klass,

ei wer die Monnemer Mädle kennt, des is e edli Rass.

Kä Lippestift, kä Puderdos, des is uns viel zu dumm,

ma fliege jo de ganze Dag in Bubearme rum.


Refrain:

Oh Sturm oh lialialo, des klingt halt monnemerisch,

voll Witz un voller Streit, so babble do die Leit,

vor so ner Ausdrucksweis hot jedermann Respekt,

des is un bleibt e unverschämtes Monnemer Dialekt.


Zwee Bube spiele Klickerles und krigge dabei Krach,

he Bongard geb de Kligger her schunst schlag ich der uffs Dach

un du mit deinem Wuschelkopp, do wesch isch der die Läus,

wenn du von mir e Ohrfeig krigscht, do drehts du dich im Kreis.


Refrain: …


Ich saß auf einem Apfelbaum, darunter eine Bank,

darauf da sass ein Liebespaar, das war so Liebeskrank

un als sie dann ihr Mündchen hob, so zärtlich wie en Frosch,

do kriegt se statts em süße Kuss, en Abbel üf die Gosch.


Refrain: …

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