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Spurwechsel - aus dem Leben einer OEG-Fahrerin

Als Kind hatte Erika den Beruf der Straßenbahnfahrerin - oder Triebfahrzeugführerin, wie er im Fachjargon heißt, - noch gar nicht auf dem Schirm. Das einzige, was ihr schon immer klar war: keinen Bürojob, sondern in Bewegung bleiben. Erika ist 37 Jahre alt, kommt aus Mannheim und fährt die OEG der Linie 5.


In ihrer Freizeit spielt Erika Squash und macht Handarbeiten. Sie ist eine typische Quereinsteigerin, was bei diesem Beruf der Straßenbahnfahrerin durchaus möglich ist. Sie arbeitet seit fünf Jahren bei der Rhein-Neckar-Verkehr (RNV).


„Ich wollte immer etwas Neues sehen und erleben. Das habe ich nun. Man könnte meinen, das Bahnfahren sehr eintönig ist, da man ja mehrmals am Tag an denselben Haltestellen und denselben Orten vorbeifährt und immer das gleiche sieht. Jedoch ist jede Runde - schon alleine durch die wechselnden Fahrgäste - anders“, sagt Erika. „Immer unterwegs zu sein, die Natur und ihre Jahreszeiten zu erleben und dass ohne nass zu werden oder zu frieren, wo hat man das schon?“


Ebenso macht ihr der Kontakt mit den Menschen Freude. „Wenn ich sehe, wie ein Kind noch extra nach vorne gerannt kommt, um mir zu winken, nachdem es gerade mit Mama und Papa ausgestiegen ist, da geht mir das Herz auf. Oder eine alte Dame mir einen Joghurt bringt, weil sie gerade vom Einkaufen kommt, und sich spontan bei mir bedanken will. Das sind die Momente, bei denen ich weiß, warum ich diesen Beruf gewählt habe“, erklärt Erika.


Auch weniger schöne Momente sind ab und zu dabei


Bei all den schönen Erlebnissen, gibt es aber auch durchaus weniger schöne. „Meisten haben diese mit unfreundlichen Fahrgästen zu tun. Zum Beispiel werden wir oft beleidigt und beschimpft, wenn wir Fahrgäste nicht mehr mitnehmen können. Diese schreien uns dann Schimpfwörter hinterher.“ Diese Situation komme vor, wenn ein OEG-Fahrer an einer Ampel warten muss, die sich direkt an einer Haltestelle befindet. Dann verlangen manche Fahrgäste, dass die Türen noch einmal aufgehen, damit sie einsteigen können.


Bildquelle: rnv GmbH


„Natürlich denken sich viele Fahrgäste, das sei doch nicht so schlimm, für die paar Sekunden nochmal zu öffnen. Aber das ist es leider doch, denn so etwas verzögert enorm“, sagt Erika. Gerade, wenn Leute noch angerannt kommen, tut ihr das besonders Leid. Aber: „Es wäre auch nicht fair den Fahrgästen im Fahrzeug gegenüber, die pünktlich waren und vielleicht ihren Anschluss bekommen müssen.“


Das Herausforderndste an ihrer Arbeit?


Wenn ein Unfall passiert. „Dann ist alles durcheinander und der Betrieb nicht mehr gewährleistet.“ Das ist beispielsweise bei der Linie 5 der Fall, da sie ja als Rundfahrt fährt. Wenn sie selbst in einer Unfallsituation ist, informiert sie die Leitstelle, muss sich um verletzte Personen kümmern und die anderen Fahrgäste informieren, was passiert ist. „Die Situation entspannt sich erst, nachdem der Funkwagen vor Ort ist. Dann übernimmt dieser Kollege die Koordination mit der Leitstelle. Glücklicherweise kommen solche Situationen nicht sehr häufig vor“, sagt Erika.


Bildquelle: rnv GmbH


Und wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus?


Erika erscheint etwa 20 Minuten vor dem Dienst bei der Arbeit, holt das Dienstblatt und schaut sich ihre heutige Route an. 10 Minuten danach meldet sie sich im System an, damit der Fahrdienstleiter auch weiß, dass sie da ist und der reibungslose Ablauf stattfinden kann. Dann läuft Erika zum Bahnsteig und übernimmt die OEG. Ab und an holt sie auch einen neuen Zug aus der Wagenhalle und fährt mit diesem los.


Allerdings ist es nicht so, dass sie jeden Tag nur in einem Zug bleibt. Es kann auch sein, dass sie zwischendurch die Fahrzeuge wechseln muss. Gesetzlich steht ihr eine Pause von 30 Min zu, das wird Blockpause genannt. „Egal was auf der Strecke los ist, diese Pause muss gewährleistet werden. Zum Feierabend gebe ich meinen Zug entweder an einen Kollegen ab oder ich fahre diesen wieder in die Wagenhalle - je nach Dienst.“

„Als Straßenbahnfahrer sollte man eine hohe Konzentrationsfähigkeit besitzen und ab und an auch mal ein dickes Fell."

Wer ebenfalls Straßenbahnfahrer werden möchte, der muss mindestens 21 Jahre alt sein und einen Führerschein der Klasse B (mit keinem oder nur einem Punkt in Flensburg) haben. Des Weiteren ist eine Bereitschaft zum Schichtdienst und Arbeiten am Wochenende eine Grundvoraussetzung.


„Man sollte eine hohe Konzentrationsfähigkeit besitzen und ab und an auch mal ein dickes Fell. Wer sich schnell aufregt, ist in diesem Beruf fehl am Platz. Freundlichkeit und höflicher Umgang ist von Vorteil, da wir Menschen transportieren und mit Fahrgästen Kontakt haben“, sagt Erika.


Klischees


Sie weiß, dass viele Menschen denken, dass man als Straßenbahnfahrer „nur den Hebel vor und zurück schiebt und ein bisschen fährt. Das stimmt so aber nicht. In diesem Beruf muss man ständig konzentriert sein und die volle Aufmerksamkeit auf den Verkehr und die Umgebung richten. Unaufmerksamkeiten kann man sich nicht erlauben. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass jeder Bahnfahrer täglich durch seine vorausschauende Fahrweise mindestens einen Unfall verhindert“.


Karriere bei der RNV


Wer sich für einen Beruf bei der RNV interessiert, der schickt seine Bewerbung am besten an die Personalabteilung der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, Möhlstraße 27, 68165 Mannheim. Im Internet gibt es auch noch weitere Stellenanzeigen unter: www.rnv-online.de/karriere/

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