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Traumberuf: Krankenschwester?!

Ich glaube, ich werde mal Krankenschwester - so wie bei Grey´s Anatomy. Immer coole Outfits tragen, immer Spaß beim Pflegen der Patienten haben und entspannt Feierabend machen. Doch ganz so einfach ist es im wirklichen Leben nicht, wie

Lisa aus Weinheim uns erzählt hat.


Wie jeder stand auch die 26-Jährige vor der Entscheidung: Was möchte ich mal werden? Ihr Kindheitstraum war es ursprünglich mal, Designerin zu werden. Kreativ sein und coole Sachen zu entwerfen. Doch durch ein Praktikum im Krankenhaus auf einer Intensivstation, hat sie einen komplett anderen Weg eingeschlagen.


Sie merkte schnell, wie viel Spaß es ihr macht, mit Menschen zu arbeiten und zu sehen wie Krankenschwestern mit den Patienten umgehen und diese ihre Dankbarkeit zeigen. Denn schon bei den kleinsten Hilfestellungen, die für einen gesunden Menschen selbstverständlich sind, waren die Patienten dankbar. Schließlich hat sich Lisa dafür entschieden, eine Ausbildung als Krankenschwester zu machen.


Nach dem Schulabschluss Nach ihrem Realschulabschluss begann Lisa ihre dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester. Während sie den praktischen Teil in einer stationären Versorgung erlernte, bekam sie den theoretischen Teil in der Pflegeschule beigebracht. Mit der Abschlussprüfung war sie dann examinierte bzw. staatlich geprüfte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Krankenschwester ist aber der gängige Begriff. Anschließend kann man noch Weiterbildungen machen, Lisa zum Beispiel ist nun auch Wundexpertin.


Das Leben als Krankenschwester Während und nach ihrer Ausbildung war sie von dem Beruf begeistert, da sie mit Menschen arbeiten und somit auch das Leben der Patienten kennenlernen konnte. Auch ihr wurde dann die Dankbarkeit entgegengebracht, die sie schon im Praktikum bemerkte. „Es ist einfach ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden.“


Aber neben dem Spaß am Pflegen und den coolen Outfits gibt es auch Schattenseiten. Man erlebt häufig schwere Schicksalsschläge. Wenn ein Patient eine schlechte Prognose oder er gesagt bekommt, man könne die lebensnotwendige OP nicht durchführen. „Wenn man eins sein muss, dann hart im Nehmen. Denn man bekommt das Leid, die Trauer am eigenen Leib zu spüren.“


Außerdem ist der Pflegenotstand deutlich bemerkbar. „Oft sind wir für 25 frisch operierte Patienten nur zu zweit und müssen trotzdem eine gute Pflege gewährleisten. Wenn dann noch gleichzeitig Angehörige kommen und sich beschweren, z.B. wenn die Tochter eines Patienten drängelt, da ihr Vater schon seit einer halben Stunde auf sein Essen wartet, macht es das nicht einfacher ...“

Wie in jedem Beruf gibt es auch Vor- und Nachteile. Einerseits lebt der Beruf von dem Schichtsystem, also Früh-, Spät- und Nachtschicht. Und das heißt, dass es vorkommen wird, dass man dann arbeiten muss, wenn Freunde und Familie frei haben. Andererseits hat man auch mal unter der Woche frei oder hat ein verlängertes Wochenende - ohne Urlaub nehmen zu müssen. Kommt man damit zurecht, muss man aber auch noch andere Eigenschaften haben. Man muss gut mit Menschen umgehen und sich auch in sie hineinversetzen können. Und nicht nur körperlich, sondern auch physisch muss man belastbar sein. Und ganz klar, muss man Blut sehen können und keine Angst davor haben, Spritzen zu geben.


Der Arbeitsalltag Um sich einen Alltag einer Krankenschwester grob vorstellen zu können, hat Lisa kurz eine Frühschicht beschrieben:

Sie beginnt um 6.30 Uhr mit einer Übergabe von Nachtdienst an den Frühdienst. Der nachtdiensthabende Kollege erzählt, wie es den Patienten geht und auf was zu achten ist. Danach fangen die Frühschichtarbeiter an, die Infusionen für den Morgen zu richten und gehen in die Patientenzimmer, um die Vitalzeichen (Blutdruck, Puls, Temperatur, Sauerstoffsättigung und Gewicht) und bei manchen auch den Blutzucker zu messen. Sie mobilisieren die Patienten und begleiten sie ins Bad oder waschen sie im Bett. Es werden Medikamente verteilt, Spritzen verabreicht und Infusionen angehängt.


Lisa ist auf einer Station, auf der Hotelfachangestellte das Essen verteilen, die somit Arbeit abnehmen. Dann beginnt auch schon die Visite. Die Krankenschwestern gehen gemeinsam mit den Ärzten durch die Zimmer und besprechen zusammen mit den Patienten, wie es ihnen geht und wie die Behandlung weiter geht. Als nächstes kommen die Verbände dran oder die Patienten werden von den Intensivstationen abgeholt. Die Krankenschwestern gehen erneut von Zimmer zu Zimmer und schauen auf die Verbände. Diese müssen in der Regel nur alle 2 Tage erneuert werden. Es sei denn, sie müssen durch bestimmte Gründe öfter ausgewechselt werden. Wenn dies erledigt ist, geht es wieder los mit Blutzucker messen, Medikamenten verteilen oder Infusionen anhängen.


Gegen Mittag werden dann die Tabletten für den nächsten Tag gerichtet und die Informationen dokumentiert, wie die Wunden der Patienten aussehen, wie sich die Patienten fühlen etc. Ebenso steht die Planung der Entlassung oder verschiedener Beratungen an (z.B. Ernährungsberatung). Die Krankenschwestern stehen dabei im engen Kontakt mit den Ärzten, dem Sozialdienst und der Physiotherapie.


Am Ende des Dienstes erfolgt die Übergabe an den Spätdienst.


Dies ist nur noch ein grober Ablauf. Natürlich fallen immer mal wieder unvorhergesehene Dinge, wie Notfälle an, z. B. wenn ein Patient einen Kreislaufstillstand erleidet. Zum Glück kommt das nicht so häufig vor, aber Probleme, die einen dringenden Klärungsbedarf haben, oder Patienten, denen es schlecht geht und eine intensive Betreuung brauchen, zwingen den gewohnten Ablauf zu ändern und alles andere hinten anzustellen.


Die Klischees einer Krankenschwester Die einen sagen, wir sitzen nur rum und trinken Kaffee. Die anderen sagen, wir würden nur waschen und Blutdruck messen. Das kann ich aber komplett widerlegen. Ich muss sagen, wir tun noch vieles mehr.“


Der Job Gesundheits- und Krankenpflegerin wird heutzutage viel zu wenig geschätzt. Die Krankenschwestern sind es, die sich 24 Stunden am Tag um die pflegebedürftigen Patienten kümmern. Sie sind die, die dem Patienten ein offenes Ohr schenken, auch wenn sie eigentlich schon zum nächsten Patienten gehen müssten. Sie versuchen, die Patienten wieder aufzubauen, wenn sie nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Sie müssen eine fachgerechte Wundversorgung gewährleisten, Medikamente verabreichen, Blut abnehmen oder Zugänge legen. Sie müssen Patienten mobilisieren, egal wie immobil diese sind.



Titelbild: Adobe Stock/Blue Planet Studio

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