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„Waschen, schneiden, Leckerli“

Unsere kleinen haarigen Vierbeiner sind uns Menschen oft nicht so unähnlich wie wir vielleicht manchmal denken. So kommt es auch vor, dass Bello, Waldi und Co. auch mal zum Friseur müssen. Beim Hundefriseur nehmen die tierischen Kunden aber nicht auf Ledersesseln Platz, es riecht auch nicht nach Haarspray und statt Waschbecken gibt es ganze Wannen. Für unsere Hunde ist der Friseurbesuch aber, je nach Rasse, unabdingbar. (B)ENGEL ist zu Gast im Hundesalon Bauer in Mörlenbach.


Es ist 14 Uhr an einem Dienstagnachmittag: Günter Bauer und sein Hund, der Labrador Retriever Rocky, empfangen an diesem Tag ihren dritten Kunden, den 11 Jahre alten Setter Brian. Dieser soll laut seinen Besitzern, dem Ehepaar Köhler aus Nieder-Liebersbach, wieder so in Form gebracht werden, dass er „auch wieder wie einer aussieht“. Brian nimmt Platz auf dem höhenverstellbaren Frisiertisch, der elektrisch nach oben fährt. Bauer greift mit gekonnter Hand zu einem speziellen Werkzeug, das an der Wand hinter ihm neben vielen weiteren Scheren und Scherköpfen hängt, und beginnt den Hund zu Carden. Dabei wird die Unterwolle aus dem Fell gebürstet, wie er erklärt. Währenddessen erzählt er uns von dem Alltag eines Hundefriseurs.

Mehr als ,nur Tiere'. Es sind Lebewesen“

Heute empfängt Bauer fünf Kunden, das ist verhältnismäßig wenig, wie er erklärt, als er sich langsam Zentimeter für Zentimeter im Fell von Brian voranarbeitet. An diesem Tag haben sich große Hunde angemeldet und daher dauert eine Behandlung auch entsprechend länger. Denn: Je größer der Hund, desto mehr Fell ist zu pflegen. Knapp zwei Stunden wird er sich um Brian kümmern, der seelenruhig sein Fell in Form bringen lässt.



Hundefriseur Günter Bauer beim Carden: Die Unterwolle wird aus dem Fell gebürstet.

Um Hundefriseur zu werden, braucht man keine spezielle Ausbildung. Jedermann kann theoretisch jederzeit einen Hundesalon eröffnen. Diesen Umstand findet Bauer bedenklich. Jeder könne sich einfach eine Schermaschine kaufen und ohne jegliche Fachkenntnisse das Fell eines Hundes ruinieren. „Viele denken, das sind doch ‚nur Tiere‘. Aber sie sind mehr als das. Es sind Lebewesen, und ich finde es wichtig, dass diese gut behandelt werden“, betont er. Bauer hat sich vor elf Jahren selbstständig gemacht. Der ehemalige Schichtleiter entdeckte einen leerstehenden Laden, hatte die Idee zum Hundesalon und setzte sie kurze Zeit später in die Tat um. Noch vor der Eröffnung ließ er sich aber vier Wochen lang in einem Salon in Hamm ausbilden. In den Anfängen seines eigenen Salons besuchte er zusätzlich noch regelmäßig Seminare und Kurse, in denen er lernte, wie man am besten die verschiedenen Hunderassen frisiert. Die Ausbildung zum Hundefriseur ist zudem nicht ganz billig. Sie kann, je nach Art und Dauer, zwischen 1000 und 10.000 Euro kosten.

Einige Kunden können bissig sein

Man könnte leicht denken, dass man es als Hundefriseur den ganzen Tag nur mit flauschigen und süßen Kunden zu tun hat. Ist das so? „Das stimmt nicht ganz“, sagt Bauer. Denn neben Kämmen, Waschen, Schneiden, Föhnen und Co. gehören allerdings auch Bisse zum Alltag, von denen er sich aber nicht hat abschrecken lassen.



Mittlerweile hat Bauer für den Feinschliff zur Schere gegriffen. Geduldig lässt Brian auch diese Prozedur Schnitt für Schnitt über sich ergehen. Die Liebe zum Beruf ist das eine, die Wirtschaftlichkeit das andere. Denn der Beruf des Hundefriseurs ist nicht ganz ohne finanzielle Risiken, wie Bauer erklärt. Allein das Equipment ist teilweise sehr teuer – unzählige Scheren, Scherköpfe und Kämme müssen bezahlt werden – und auch die Selbstständigkeit bringt ihre ganz eigenen Herausforderungen und Probleme mit sich. Ein wirtschaftliches Überleben wäre Bauer ohne seine beiden Filialen in Weiterstadt und Karlsruhe nicht möglich, betont er ganz klar.




„Man sollte sich immer darüber im Klaren sein, wie viel Fellpflege der eigene Hund beansprucht."

Schon im Vorfeld informieren

Was muss nun jedoch ein Hundebesitzer beachten, wenn es um die Fellpflege seines kleinen oder großen Wegbegleiters geht? Am besten sollte man Welpen gleich von klein auf an das Kämmen gewöhnen. „Man sollte sich immer darüber im Klaren sein, wie viel Fellpflege der eigene Hund beansprucht. Man sollte am besten auch den Hundefriseur besuchen, bevor es zu spät ist und der Vierbeiner ein total verfilztes Fell hat“, sagt Bauer und fügt hinzu: „Und das alles idealerweise schon bevor man einen Hund bei sich aufnimmt.“ Tiere mit längerem Fell müssen häufiger und intensiver gekämmt und gebürstet werden – und je nach dem, wie gut das funktioniert, dann auch öfter zum Friseur.


„Und was gefällt Ihnen so sehr an Ihrem Beruf, Herr Bauer?“

„Sehen Sie doch mal, was hier auf dem Tisch sitzt“, sagt er mit einem Lächeln und zeigt auf Brian. Bauer bereut, dass er nicht sogar schon früher Hundefriseur geworden ist, und scheint glücklich zu sein, in dem was er tut. Zum Abschluss gibt es für Brian ein Leckerli als Belohnung.


Von Simon Bitsch

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