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  • Paul

Ziegenzucht aus Leidenschaft

Sie heißen Apollo, Tini oder Annabel und sind der ganze Stolz von Martin Bünger. Seit 38 Jahren züchtet er in seiner Freizeit Ziegen. Für seine Tiere hat er eigenhändig einen Stall gebaut, morgens und abends melkt er jede einzelne per Hand.


Es ist 5.30 Uhr in Ursenbach. Der Wecker von Martin Bünger klingelt. Er zieht sich seine Arbeitskleidung an, steigt in die Stiefel und tritt aus seinem Haus. Eine steile Metalltreppe führt ihn hinunter zum Stall. Der schweren Schiebetür muss viel Kraft entgegengesetzt werden, um sie zu öffnen. Die Tiere im Inneren erkennen ihn sofort. Wenn Bünger ruft, antworten sie. In drei Gehegen stehen insgesamt 25 Weiße Deutsche Edelziegen. Böcke, Geißen und Jungtiere haben jeweils ihren eigenen Bereich. Der Ziegenzüchter öffnet das Tor zu den Geißen, den weiblichen Ziegen. Ein dicker Draht sichert das Schloss zusätzlich ab. „Die sind schlau, die würden das Tor problemlos öffnen können. Ist mir schon passiert“, erklärt der Ziegenzüchter lachend.


Die Jungtiere haben einen eigenen Bereich im Stall.

Melken wie im Mittelalter

Es wartet Arbeit: Bünger melkt 14 Tiere mit der Hand, eins nach dem anderen. Während er mit geübten Handbewegungen dem Euter die Milch entlockt, frisst die Geiß ihr Frühstück. „Wenn ein Tier nichts essen mag, sehe ich sofort, dass etwas nicht stimmt“, sagt er. Knapp vier Minuten später ist die nächste Ziege an der Reihe. Wenn alle Tiere versorgt sind, beginnt Büngers eigentlicher Arbeitstag. Der 44-jährige Elektromeister hat einen eigenen Betrieb im Weinheimer Stadtteil Ritschweier. Aber seine wahre Leidenschaft gehört seit 38 Jahren der Ziegenzucht.


Martin Bünger kennt jedes Tier beim Namen.

Milch, Milch, Milch

An 240 Tagen im Jahr geben Büngers Milchziegen im Schnitt fünf Liter Milch pro Tag. Nach dem Ablammen darf der Nachwuchs für etwa sechs Monate saugen. Bis dahin müssen die Jungtiere gelernt haben, Heu und Stroh zu fressen. Der Züchter ist davon überzeugt, dass mit dem Muttertier aufgewachsene Lämmer später weniger gesundheitliche Probleme haben. Auch die Sozialisierung durch die Herde sei dabei ein wichtiger Faktor.


"Wenn ein Tier Hilfe braucht, kann ich nicht wegsehen"

Angefangen hat alles, als Bünger sechs Jahre alt war. Auf sein Drängen hin schenkten ihm seine Eltern die ersten Ziegen. Unter der Voraussetzung, dass er sich um die Tiere kümmert. „Ich habe das Futter selbst besorgt. Das Gras dafür habe ich mit einer Sense gemäht und dann mit einem Handwagen eingeholt“, erinnert er sich. Er musste lernen, Verantwortung zu übernehmen – in allen Lebenslagen: Wenn die Geißen „ablammen“, bleibt Bünger an der Seite der Tiere. Besonders bei schweren Geburten weicht der Züchter nicht von ihrer Seite. „Wenn ein Tier meine Hilfe braucht, kann ich nicht wegsehen. Der Bezug ist einfach zu groß“, erklärt er. Wenn der 44-Jährige von seinen Tieren erzählt, wird deutlich: Für ihn sind sie keine reinen Nutztiere, obwohl der Züchter einen Nutzen von ihnen hat.


Der Bock ist an seinem Kinnbart zu erkennen.

Harte Schule

Denn mit der Flasche oder aus der Schüssel großgezogene Ziegen würden sich, wenn sie später zu ihren Artgenossen stoßen, nicht angemessen verhalten und das Sozialgefüge durcheinanderbringen. „Die Erziehung fehlt. Wenn ein Lamm nach der Geburt versucht, an fremden Eutern zu saugen, wird es weggestoßen. Beim nächsten Versuch wird es am Ohr gepackt und hochgezogen. Dann gibt es einen lauten Schrei, aber es merkt sich das“, erklärt Bünger eindrucksvoll. Während der Sommermonate seien die Geißen nicht empfängnisbereit und stehen mit den Böcken und Jungtieren gemeinsam auf der Weide. Deshalb müsse jedes Tier seinen Platz in der Gruppe genau kennen.


Besser als Bio?

Wenn es für die Jüngsten dann nur noch frisches Gras und Heu gibt, bleibt die überschüssige Milch dem Ziegenzüchter. Der kocht gerne Pudding oder bereitet einen Frischkäse zu. Verkaufen darf er seine Produkte nicht, dafür müssten besondere Auflagen des Veterinär- und Gesundheitsamts erfüllt werden. „Meine Freunde und die Familie freuen sich aber immer über ein leckeres Ziegenprodukt“, sagt Bünger. Kuhmilchprodukte verzehrt Bünger seither nur noch selten. „Die Fettkügelchen der Ziegenmilch sind kleiner und dadurch besser bekömmlich. Gerade bei Magenproblemen hilft das“, erklärt er.



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